Jackson-Prozess Das Warten geht weiter
Santa Maria - Je schicker die Kleidung der Jury-Mitglieder ausfalle, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihr Urteil verkünden. So lautete die These von Prozessbeobachtern. Da keiner der Männer Jogginghosen trug, schlussfolgerten einige, das Urteil werde am Freitag fallen. Sie lagen daneben. Diejenigen sollten recht behalten, die sich die Garderobe der Damen genauer angesehen hatten: Keine trug ein Kleid. Die Beobachter leiteten daraus ab, dass das Urteil frühestens am Montag falle.
Seit Freitag vergangener Woche hat die Jury hinter verschlossenen Türen verbracht, um über das Schicksal des Popstars zu entscheiden. Bislang wurde nur bekannt, dass sich die Geschworenen mit einer einzigen Frage an den Vorsitzenden Richter gewandt haben.
Anhand eines 98-seitigen Leitfadens müssen sie in jedem der zehn Anklagepunkte zu einem einstimmigen Urteil kommen. Die Jury habe in Anbetracht der komplexen Vorwürfe noch nicht "ungeheuer lange" beraten, wurde der Prozessbeobachter Craig Smith von der "Santa Maria Times" zitiert.
Das Gremium soll nun wieder am Montag zusammenkommen. Für die Gesamtdauer ihrer Beratungen ist den Geschworenen kein Zeitlimit gesetzt. Allerdings müssen sie zu einer einmütigen Entscheidung darüber gelangen, ob der Angeklagte schuldig ist oder nicht.
Bei Fans und Reportern liegen die Nerven blank
Mit jedem Tag gebe es mehr Wortgefechte und Feindseligkeiten zwischen Anhängern des Sängers und Medienvertretern, berichtete MSNBC. Ein lautstarker Fan wurde von der Polizei aufgefordert, von einer Reporterin des Senders Court TV Abstand zu halten. Sie fühle sich von dem Jackson-Anhänger bedroht und habe einen Leibwächter zu ihrem eigenen Schutz angeheuert, sagte die Reporterin. Die Polizei hat das Aufgebot an Sicherheitskräften vor dem Gericht verstärkt.
Der Popstar, der die Urteilsfindung auf seiner Neverland-Ranch abwartet, wurde zuletzt am Mittwoch in der Öffentlichkeit gesehen. Der schwarze Politiker Jesse Jackson hatte ihn zu einem Arztbesuch in ein Krankenhaus begleitet. Die Rückenbeschwerden des Sängers hätten sich gebessert. Der Popstar wirke "fast überschwänglich", sagte der Bekannte des Stars, der seit Wochenbeginn als Sprecher der Jackson-Familie auftritt.
Jackson soll im Frühjahr 2003 einen 13-jährigen Jungen sexuell missbraucht und ihm Alkohol gegeben haben. Zudem soll er die Familie des Jungen unter Druck gesetzt und quasi gefangen gehalten haben. Im Falle eines Schuldspruchs drohen dem Popstar bis zu 20 Jahre Haft.