Jackson-Prozess Der Popstar und die Millionenschulden
Santa Maria - Richter Rodney Melville wies die Geschworenen an, die Zahlen nicht als Fakten zu betrachten, sondern nur im Zusammenhang mit den Schlussfolgerungen des Experten. "Es hat eine stetige Geldkrise gegeben, nicht genug Geld, Rechnungen zu bezahlen", sagte Buchhalter John Duross O'Bryan. Er sei zu der Überzeugung gelangt, dass Jackson schließlich zum Verkauf seiner größten Besitztümer, der Rechte an seinen eigenen Liedern und dem Sony-ATV-Katalog gezwungen sein könnte. Zum Sony-ATV-Katalog gehören auch die Songs der Beatles, deren Veräußerung Jackson stets vehement abgelehnt hatte. Aber selbst das könnte nach seiner Einschätzung Jackson nur bedingt helfen, da der Verkauf hohe Steuerzahlungen mit sich bringen würde.
Jacksons Verteidiger Thomas Mesereau sagte, der Katalog sei 2003 eine Milliarde Dollar wert gewesen, mittlerweile werde er auf drei bis vier Milliarden Dollar geschätzt. "Wäre es nicht von Bedeutung, wenn Sie wüssten, dass Jackson eine Gelegenheit nutzen könnte und seine (Geld-)Probleme an einem einzigen Tag lösen könnte?" fragte Mesereau den Zeugen. "Wenn sie (die Probleme) gelöst werden konnten, warum wurden sie das nicht?", gab der zurück.
"Sieben Millionen würde keinen Unterschied machen"
Im Februar 2003, als eine für Jackson verheerende Fernsehdokumentation erschien, habe der Popstar 10,5 Millionen Dollar an offenen Lieferantenrechnungen und nur 38.000 Dollar auf dem Konto gehabt, sagte der Zeuge aus. Der Bank of America schulde er mindestens 235 Millionen Dollar. Die Staatsanwaltschaft will beweisen, dass Jackson auf die Fernsehdokumentation baute, um seine Karriere wieder zu beleben. Nachdem er darin aber zugab, mit Kindern in einem Bett zu schlafen, sei dieser Plan geplatzt. Deshalb habe er die Familie des Jungen, der ihn nun beschuldigt, mit Alkohol gefügig gemacht und sexuell belästigt zu haben, gezwungen, an einem Entlastungsvideo mitzuwirken.
Der Buchhalter sagte, ihm sei bekannt, dass Jackson mit dem Fernsehsender Fox über die Ausstrahlung des Entlastungsvideos verhandelt hat. Sieben Millionen Dollar seien im Gespräch gewesen. Mesereau sagte: "Sagen wir mal, er hatte die Gelegenheit, eine Dokumentation zu machen, die sieben Millionen Dollar bringen würde. Diese sieben Millionen Dollar würden keinen großen Unterschied" bei Jacksons Schuldenstand machen. "Nein, das würden sie nicht", stimmte der Zeuge zu. "Und es wäre es nicht wert, ein Verbrechen zu begehen?" Melville ließ die Frage nicht zu, deshalb gab es darauf keine Antwort.
Ex-Frau nannte Jackson "Soziopathen"
Ein Polizist hatte zuvor ausgesagt, Jacksons Ex-Frau Debbie Rowe habe den Popstar in einem vertraulichen Gespräch als "Soziopathen" bezeichnet. Rowe habe ihm außerdem von einer Vereinbarung mit ihrem Ex-Mann berichtet, der zufolge beide in der Öffentlichkeit nur positiv über den anderen sprechen wollten. Rowe hatte der Anklage vergangene Woche einen Rückschlag versetzt, als sie Jackson als "großartige Person und wunderbaren Vater" beschrieb.
Der 46-jährige Sänger muss sich wegen sexuellen Missbrauchs eines heute 15 Jahre alten Jungen im Frühjahr 2003 auf seiner Neverland-Ranch verantworten. Er soll den Jungen und dessen Familie außerdem gegen ihren Willen auf dem Anwesen festgehalten haben.
Prozessbeobachter rechneten damit, dass die Anklage ihre Beweisaufnahme heute abschließen wird. Nach Informationen des Fernsehsenders MSNBC wird die Verteidigung vermutlich bereits in der kommenden Woche den früheren Kinderstar Macaulay Culkin in den Zeugenstand rufen. Die Anklage hatte Culkin als weiteres Belästigungs-Opfer des Sängers dargestellt. Der Schauspieler hatte dagegen in früheren Interviews versichert, dass seine enge Beziehung zu Jackson rein freundschaftlicher Natur gewesen sei.