Jackson-Prozess: Die Stunde der Verteidigung beginnt - DER SPIEGEL
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Jackson-Prozess Die Stunde der Verteidigung beginnt

Nach mehr als zwei Monaten haben die Staatsanwälte im Missbrauchsprozess gegen Michael Jackson ihre Beweisführung abgeschlossen. Nun sind die Verteidiger des Popstars an der Reihe. Mehr als 250 Zeugen haben sie auf ihrer Liste, darunter viele Vertreter des Showbiz.
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Santa Maria - Bezirksstaatsanwalt Tom Sneddon beendete gestern seine Ausführungen, heute will Richter Rodney Melville einen ersten Antrag der Verteidigung anhören. Als einer der letzten Zeuge der Anklage war der Plattenproduzent Rudy Provencio in Santa Maria (Kalifornien) aufgetreten. Er gab vor der zwölfköpfigen Jury über Telefongespräche zwischen Jackson und seinen Mitarbeitern im Februar 2003 Auskunft. Viele Prozessbeobachter sprachen von einem schwachen Finale einer von Problemen geplagten Beweisführung seitens der Staatsanwaltschaft.

Die Zeugenaussage von Provencio sollte den Vorwurf der Anklage untermauern, dass Jackson gemeinsam mit seinen Helfern ein Komplott schmiedete, die Familie des Teenagers unter Druck zu setzen und auf Neverland gefangen zu halten. Der Plattenproduzent berichtete über Telefonate im Februar 2003, in denen Mitarbeiter des Popstars davon sprachen, dass die Familie von dem Neverland-Anwesen "geflüchtet" sei. In diesem Zusammenhang sei auch das Wort "Killer" gefallen.

Im Kreuzverhör von Jacksons Verteidigern räumte der Zeuge aber ein, dass er keine direkten Anweisungen des Sängers gehört habe, die den Vorwurf seiner Teilnahme an einer Verschwörung bestätigen würden.

Nach Angaben eines anderen Zeugen der Anklage hat der "King of Pop" jahrelang über seine Verhältnisse gelebt und zwischen 20 und 30 Millionen Dollar mehr ausgegeben als er eingenommen hat. "Es hat eine stetige Geldkrise gegeben - nicht genug Geld, um Rechnungen zu bezahlen", sagte zuvor der kriminaltechnische Wirtschaftsprüfer John Duross O'Bryan, der Jacksons Einkommenssituation von 1999 bis 2004 überprüfte. In Memos von Jacksons Finanzmanagern habe es geheißen, dass der Popstar zum Verkauf seiner größten Besitztümer, den Rechten an seinen eigenen Liedern und dem Sony-ATV-Katalog, gezwungen sein könnte. Zu letzterem gehören auch die Songs der Beatles. Aber selbst das könnte nach seiner Einschätzung Jackson nur bedingt helfen, da der Verkauf hohe Steuerzahlungen mit sich bringen würde, erklärte O'Bryan am Dienstag. Jacksons Verteidiger Thomas Mesereau verwies darauf, dass der Katalog 2003 eine Milliarde Dollar wert gewesen sei, mittlerweile aber auf vier bis fünf Milliarden Dollar geschätzt werde.

Sagen Liz Taylor und Eddy Murphy für Jackson aus?

Im Februar 2003, als eine für Jackson verheerende Fernsehdokumentation erschienen sei, habe der Popstar 10,5 Millionen Dollar an offenen Lieferantenrechnungen und nur 38.000 Dollar auf dem Konto gehabt, sagte O'Bryan weiter. Der Bank of America schulde er mindestens 235 Millionen Dollar. Die Staatsanwaltschaft will beweisen, dass Jackson auf die Fernsehdokumentation baute, um seine Karriere wieder zu beleben. Nachdem er darin aber zugegeben habe, mit Kindern im Bett zu schlafen, sei dieser Plan geplatzt. Deshalb habe er die Familie des Jungen, den er mit Alkohol gefügig gemacht und sexuell belästigt haben soll, gezwungen, an einem Entlastungsvideo mitzuwirken.

Der Wirtschaftsprüfer sagte, ihm sei bekannt, dass Jackson mit dem Fernsehsender Fox über die Ausstrahlung jenes Videos verhandelt habe. Sieben Millionen Dollar seien im Gespräch gewesen. Mesereau sagte, diese sieben Millionen Dollar würden keinen großen Unterschied bei Jacksons Schuldenstand machen. "Nein, das würden sie nicht", stimmte der Zeuge zu.

Ein Polizist hatte zuvor ausgesagt, Jacksons Exfrau Debbie Rowe habe den Popstar einem Ermittler zufolge in einem vertraulichen Gespräch als "Soziopathen" bezeichnet. Rowe habe ihm außerdem von einer Vereinbarung mit ihrem Exmann berichtet, wonach beide in der Öffentlichkeit nur positiv über den anderen sprechen wollten. Rowe hatte der Anklage vergangene Woche einen Rückschlag versetzt, indem sie Jackson als "großartige Person und wunderbaren Vater" beschrieb.

Jacksons Anwälte fordern in ihrer Verteidigung einen sofortigen Freispruch des Popstars mit der Begründung, dass die Ankläger keine ausreichenden Beweise vorgelegt hätten. Der 46-jährige Sänger wird beschuldigt, 2003 einen heute 15-jährigen Jungen mit Alkohol gefügig gemacht und missbraucht zu haben.

Über 250 mögliche Zeugen stehen auf der Liste der Verteidigung, darunter Stars wie Elizabeth Taylor, Diana Ross, Eddy Murphy und Stevie Wonder. Das Verfahren kann sich aus Sicht von Prozessbeobachtern noch über zwei Monate hinziehen.

Nach Informationen des Senders MSNBC will die Verteidigung zum Auftakt drei junge Männer, darunter den früheren Kinderstar Macaulay Culkin, in den Zeugenstand rufen. Die Anklage hatte Culkin und die beiden anderen Neverland-Besucher als weitere Belästigungs-Opfer des Sängers dargestellt. Alle drei hatten dagegen in früheren Interviews versichert, dass ihre Beziehung zu Jackson rein freundschaftlicher Natur gewesen sei.

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