Jackson-Prozess "Diese Leute sind böse"
Santa Maria - Die als Komikerin arbeitende Louise Palanker sagte, die Mutter des damals 13-jährigen Jungen habe sie kurz nach Ausstrahlung einer TV-Dokumentation über Michael Jackson im Februar 2003 angerufen. Sie habe verängstigt geklungen. "Sie war sehr aufgeregt und flüsterte fast", sagte Palanker gestern vor dem Gericht in Santa Maria. Die Frau hätte sie gebeten, nicht unter derselben Nummer zurückzurufen. Die Begründung: "Sie hören alles, was ich sage. Diese Leute sind böse." Die Frage, ob die Kinder in der Schule seien, habe die Mutter verneint, dann habe sie geweint. Wo die Frau sich zum Zeitpunkt ihres Anrufs aufhielt, konnte Palanker nicht sagen. Nach dem Telefonat habe sie ihren Anwalt angerufen. "Ich hatte das Gefühl, dass sie gegen ihren Willen festgehalten wurden", sagte Palanker.
Der Anruf fand nach Angaben der Zeugin wenige Tage nach der Veröffentlichung einer BBC-Produktion statt, die den Missbrauchsprozess ins Rollen gebracht hat. In dem Film ist Jackson händchenhaltend mit dem angeblichen Opfer zu sehen und spricht über seine Vorliebe, sein Bett mit Kindern zu teilen. Die Staatsanwaltschaft wollte mit Palankers Aussage den Vorwurf untermauern, dass Jackson die Familie später zur Mitwirkung an einem Video zwang, dessen Inhalt den für ihn belastenden BBC-Bericht widerlegen sollte. Jacksons Mitarbeiter hatten nach dem Skandal eine Art Gegendarstellung gedreht.
Louise Palanker hatte die Familie des Hauptbelastungszeugen auf einer Veranstaltung für unterprivilegierte Kinder im Jahr 1999 kennen gelernt. Sie bezeichnete das angebliche Missbrauchopfer als ehrlichen Jungen und seine Mutter als "liebenswürdige, besorgte" Frau, berichtete die "Los Angeles Times". Als die Ärzte bei dem Jungen Krebs diagnostizierten, spendete Palanker 20.000 Dollar. Zu einer ersten Zahlung von 10.000 Dollar habe sie sich spontan entschlossen, weitere 10.000 Dollar habe sie der Familie auf Bitten des Vaters überlassen, sagte die Zeugin. Jacksons Anwälte wollen die Familienmitglieder als geldgierige Lügner entlarven, die sich bereichern wollten und die Anschuldigungen gegen Jackson erfunden hätten, um von ihm entschädigt zu werden. Die Mutter habe aus finanziellen Motiven ihre Beziehungen zu Prominenten ausgenutzt, hieß es.
Jackson, der nach eigenen Angaben an starken Rückenschmerzen leidet, erschien gestern pünktlich vor Gericht, nachdem er am Vortag einige Minuten zu spät gekommen war. Der 46-Jährige lächelte, bewegte sich aber nur langsam. Als er das Gerichtsgebäude verließ, sagte er zu Journalisten: "Mir geht es besser."
Dem Popstar wird vorgeworfen, im Frühjahr 2003 den damals 13-jährigen Jungen mit Alkohol gefügig und sexuell missbraucht zu haben. Um die Vorfälle auf seiner Ranch Neverland zu vertuschen, soll er mit seinen Beratern die Familie des Jungen festgehalten und erpresst haben. Jackson hat die Vorwürfe zurückgewiesen.