Jackson-Prozess: "Er hat die ganze Welt hereingelegt" - DER SPIEGEL
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Jackson-Prozess "Er hat die ganze Welt hereingelegt"

Die Mutter des Jungen, der Michael Jackson des sexuellen Missbrauchs beschuldigt, hat vor Gericht erklärt, der Popstar habe mit seiner angeblichen Liebe zu Kindern "die ganze Welt hereingelegt". Er habe sein wahres Gesicht vor der Öffentlichkeit verborgen und sich lediglich aus eigennützigen Motiven mit Minderjährigen umgeben.
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Santa Maria - "Ich habe herausgefunden, dass er sich überhaupt nicht um Kinder kümmert, sondern nur darum, was er mit den Kindern tun konnte", sagte die 36-Jährige gestern im Kreuzverhör durch Jacksons Anwälte. Die Mutter hatte in der vergangenen Woche ausgesagt, sie sei im Frühjahr 2003 von Jacksons Mitarbeitern bedroht und festgehalten worden. Jetzt gab sie an, sie habe sich davor gefürchtet, dass ihre Familie in einem Heißluftballon von Jacksons Neverland-Ranch entführt werden können.

Richter Rodney Melville griff während der Verhandlung häufig in die ausschweifenden Ausführungen der Zeugin ein und ließ nicht relevante Passagen aus dem Protokoll streichen.

Jackson-Anwalt Thomas Mesereau setze seine Strategie fort, die Frau als Lügnerin und Trickbetrügerin darzustellen, die sich von Behörden und Prominenten Geld für ihren ehemals krebskranken Sohn erschwindeln wollte. Mesereau fragte die Zeugin, warum sie niemanden um Hilfe gebeten habe, als sie sich angeblich von Jacksons Mitarbeitern bedroht fühlte. Die Mutter des heute 15 Jahre alten Teenagers räumte ein, dass sie Bekannte hatte, darunter einen Anwalt und einen Polizisten, diese aber nicht informierte. Sie habe in Telefonaten mit Freunden Andeutungen über ihre Lage gemacht und gehofft, "die Leute würden selber die Polizei rufen", sagte die Frau.

Obwohl sie selbst niemals einen Missbrauch an ihrem Sohn beobachtete, gilt die Frau als Schlüsselzeugin im Prozess gegen den Popsänger. Dem 46-jährigen Jackson wird in dem Prozess vorgehalten, den seinerzeit 13-jährigen Sohn der Zeugin auf seiner Neverland-Ranch mit Alkohol gefügig gemacht und dann sexuell missbraucht zu haben. Zudem muss er sich wegen Freiheitsberaubung und Kindesentführung vor Gericht verantworten.

Am Freitag hatte die Frau in einem scharfen Verhör durch den Verteidiger frühere Falschaussagen unter Eid zugegeben. Gestern machte sie nach Angaben der "Los Angeles Times" ihren Ex-Ehemann für umstrittene Geldgeschäfte verantwortlich. Den Vater des Jungen stellte sie als geldgierig dar.

Heute wird die Mutter erneut im Zeugenstand erwartet. Die Staatsanwaltschaft will nach Angaben der "Los Angeles Times" einen Experten für häusliche Gewalt vor Gericht zitieren, der Ungereimtheiten im Verhalten der Frau mit früherem Missbrauch durch deren Ehemann erklären könnte: Der Vater des Jungen soll die Frau vor der Trennung in 2001 über Jahre hinweg geschlagen haben.