Jackson-Prozess Großmutter mit Steinen beworfen?
Santa Maria - Die Großmutter des heute 15-jährigen Jungen, der Jackson des sexuellen Missbrauchs beschuldigt, sagte gestern in ihrer spanischen Muttersprache vor dem Gericht im kalifornischen Santa Maria aus. Dabei bestätigte sie frühere Aussagen der Familie über eine angebliche Gefangenschaft auf der Neverland-Ranch des Popstars. Sie habe sich im März 2003 krank gestellt, um damit die Mitarbeiter von Jackson dazu zu bewegen, ihre Enkel von Neverland nach Hause gehen zu lassen, so die ältere Dame. Sie erklärte, ihre Enkel hätten sich nach ihrer Rückkehr im März 2003 von Jacksons Neverland-Ranch stark verändert: "Diese Kinder waren nicht meine Enkel", sagte sie vor Gericht im kalifornischen Santa Maria.
Auch Drohungen von Seiten der Jackson-Mitarbeiter bestätigte die Großmutter. Sie sei mit Telefonanrufen geradezu überschwemmt worden. Außerdem habe sie jemanden beobachtet, wie er Steine auf ihr Haus warf. Der Mann flüchtete, bevor sie die Polizei rufen konnte, erklärte die Frau.
Die 36-jährige Mutter des mutmaßlichen Missbrauchsopfers trat gestern zum letzten Mal in den Zeugenstand. Im Kreuzverhör verfolgte Jackson-Verteidiger Thomas Mesereau auch dieses Mal beharrlich seine Strategie, die Glaubwürdigkeit der Frau in Zweifel zu ziehen. Der Anwalt versuchte, die Frau als geldgierige Betrügerin darzustellen, indem er sie im Kreuzverhör mit Fotos konfrontierte, auf denen sie selbst mit schweren Hämatomen zu sehen ist. Nach Aussage der Zeugin stammten die Verletzungen von Misshandlungen durch Wachmänner einer Kaufhauskette. Mit einer Klage wegen Körperverletzung hatte sich die Mutter eine Entschädigung in Höhe von 150.000 Dollar erstritten (rund 120.000 Euro).
Mesereau wies auf Ungereimtheiten in der Aussage der Frau hin und bezog sich dabei auf häufige Misshandlungen durch deren damaligen Ehemann. Der Verteidiger warf der Frau vor, sie sei eine Lügnerin, die sich von Behörden, Unternehmen und Prominenten Geld für ihren ehemals krebskranken Sohn erschwindeln wollte.
Die Mutter des Jungen hatte in der vergangenen Woche ausgesagt, im Frühjahr 2003 von Jacksons Mitarbeitern bedroht und festgehalten worden zu sein. Sie und ihre Kinder seien genötigt worden, sich in einem Video positiv über den Popstar zu äußern.
Der 46-jährige Jackson ist angeklagt, den seinerzeit 13-jährigen Jungen auf seiner Ranch mit Alkohol gefügig gemacht und dann sexuell missbraucht zu haben. Zudem muss er sich wegen Verschwörung zur Entführung und Freiheitsberaubung verantworten.
Bereits in der nächsten Woche könnte die Anklage ihre Beweisführung abschließen. Staatsanwalt Tom Sneddon stellte in Aussicht, in der kommenden Woche die letzten Zeugen zu befragen. Das Missbrauchsverfahren gegen den Popstar läuft seit acht Wochen.