Jackson-Prozess: "Pädophiles Raubtier" - DER SPIEGEL
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Jackson-Prozess "Pädophiles Raubtier"

Der Missbrauchsprozess gegen Michael Jackson nähert sich dem Ende. Während Staatanwalt Ron Zonen den Popstar als Bestie darstellte, die sich an einem 13-jährigen Jungen vergangen habe, versuchte die Verteidigung die Glaubwürdigkeit der Klägerfamilie zu erschüttern. Jetzt haben die Geschworenen das Wort.
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Santa Maria - Jackson-Anwalt Thomas Mesereau stellte den Sänger als "naives" Opfer einer Familie von "Betrügern, Schauspielern und Lügnern" dar, die sich an dem Entertainer bereichern wollten. Mesereau wollte sein Schlussplädoyer heute zu Ende führen. Die Vorwürfe gegen Jackson seien "absurd", sagte Mesereau. Sie stammten von einer Familie, "in der die Kinder zum Betrügen und Lügen" erzogen wurden. Eine Verurteilung Jacksons "über jeden vernünftigen Zweifel hinweg" sei daher nicht möglich, sagte der Anwalt zu den Geschworenen. Der Staatsanwaltschaft warf er einen Versuch vor, Jackson persönlich anzugreifen, indem sie seine finanziellen Probleme, seine Sammlung von Sexheften und seinen Karriereknick ins Spiel gebracht habe.

Zuvor hatte die Anklage in ihrem knapp dreistündigen Plädoyer den Popstar und seinen Anwalt scharf attackiert. Den Popstar bezeichnete sie als pädophiles "Raubtier", das seine jungen Opfer zur eigenen Befriedigung in die "Welt des Verbotenen" lockte. Jackson habe nach einem Muster gehandelt, seine jungen Opfer "in sein Vertrauen, sein Schlafzimmer und in sein Bett" zu locken, sagte Zonen. Er sprach von "Ausnutzung und sexuellen Missbrauch" eines 13-jährigen Jungen durch einen berühmten Sänger und stellte Jackson als pädophilen Serientäter dar. Jackson habe sich zunächst bei dem früheren Krebspatienten eingeschmeichelt und den Jungen dann systematisch missbraucht.

Mesereau hielt er vor, seine Versprechen nicht gehalten zu haben. So habe der Verteidiger vor Gericht nicht den Vorwurf untermauern können, dass der Junge und dessen Mutter auf das Geld von prominenten Komödianten und Entertainern aus war, sagte Zonen. Die Familie habe Jackson nie um Geld gebeten, sagte der Anwalt weiter.

Nach einem Schlusswort des Staatsanwalts wollte der Vorsitzende Richter heute den Fall den zwölf Geschworenen übertragen. Aus Sicht von Prozessbeobachtern könnte schon in wenigen Tagen das Urteil gegen den 46-jährigen Sänger fallen.

Jackson war gestern in Begleitung seiner Eltern und seiner Brüder Jermaine, Randy und Tito vor Gericht erschienen. Rund 150 Fans jubelten dem schwach wirkenden Popstar zu. Prozessbeobachter kommentieren, dass der Sänger kränklich und stark abgemagert wirke. Jackson-Sprecherin Raymone Bain versicherte dem Sender MSNBC, dass das frühere Popidol nicht krank sondern nur "sehr müde" sei. Er glaube immer noch fest an einen Freispruch. Jackson selbst sagte beim Verlassen des Gerichts im kalifornischen Santa Maria: "Ich bin ok." Im Fall eines Schuldspruchs drohen Jackson mehr als 20 Jahre Haft.

Der Prozess hatte vor über vier Monaten mit der Auswahl der Geschworenen begonnen, seit Eröffnung der Hauptverhandlung am 28. Februar wurden insgesamt 130 Zeugen verhört. Jackson ist angeklagt, vor zwei Jahren einen 13-jährigen Jungen sexuell missbraucht zu haben. Er soll ihm auch Alkohol gegeben haben. Während es in der Anklageschrift hieß, mit dem Alkohol habe der Sänger sein Opfer sexuell gefügig machen wollen, wies Richter Melville die Geschworenen ausdrücklich darauf hin, dass es sich auch schlicht um die Abgabe von Alkohol an einen Minderjährigen ohne weitergehende Absichten gehandelt haben könnte. Später soll Jackson versucht haben, den Jungen und dessen Familie auf seiner Neverland Ranch gefangen zu halten. Die Verteidigung wies alle diese Vorwürfe zurück. Sie bemüht sich, die Mutter des Jungen als Betrügerin darzustellen, die Jacksons Geld wolle. Die Missbrauchsfälle seien erfunden. Die Familie hatte zu Jackson wie zu zahlreichen anderen Prominenten Kontakt aufgenommen, nachdem der Junge an Krebs erkrankt war. Sie bat die Stars um Hilfe bei der Einwerbung von Spenden.

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