Jackson-Prozess: Patt nach Plädoyers - DER SPIEGEL
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Jackson-Prozess Patt nach Plädoyers

Aussage gegen Aussage - das ist die Bilanz nach den Auftaktplädoyers im Missbrauchsprozess gegen den King of Pop. Im Prozess gegen den Superstar wird das mutmaßliche Opfer selbst auftreten. Der heute 15-jährige Junge, so kündigte es der Staatsanwalt an, werde seine "sexuellen Erlebnisse mit Michael Jackson beschreiben".
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Santa Maria - Während die Staatsanwaltschaft dem 46-jährigen Sänger in ihrem Eröffnungsplädoyer im Gerichtssaal von Santa Maria vorwarf, einen damals 13-jährigen krebskranken Jungen zur gemeinsamen Masturbation verführt und zuvor mit Alkohol gefügig gemacht zu haben, nahm die Verteidigung die Mutter des Jungen ins Visier. Die Anwälte sprachen der Hauptzeugin der Anklage jede Glaubwürdigkeit ab.

Der Hauptvertreter der Anklage, Staatsanwalt Tom Sneddon, sagte zu Beginn seines fast zweieinhalbstündigen Plädoyers, dass der heute 15-jährige Junge selbst im Zeugenstand aussagen werde. "Hier im Gericht, wenn die ganze Welt zuschaut", werde er "seine sexuellen Erlebnisse mit Michael Jackson beschreiben", kündigte Sneddon an. Die "Privatwelt" Michael Jacksons auf seiner "Neverland-Ranch" in der Nähe von Santa Maria bestehe nicht aus "Märchenstunden zur Bettzeit oder Diskussionen über Peter Pan", sondern der Popsänger spreche mit minderjährigen Jungen, die bei ihm übernachteten, "über Masturbation".

Die Verteidigung versuchte im ersten Teil ihres Eröffnungsplädoyers die Glaubwürdigkeit der Mutter des Jungen zu untergraben. Diese habe ähnliche Anklagen schon in früheren Verfahren erhoben, um so zu Geld zu kommen. Bei dem Jungen und seiner Mutter handele es sich um "Nutznießer, die ganz bewusst Berühmtheiten aufs Korn nehmen, um zu Geld zu kommen", sagte Jacksons Hauptverteidiger Thomas Meserau laut "Los Angeles Times".

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft soll Jackson nach der Ausstrahlung eines 2002 gedrehten britischen TV-Dokumentarfilms über seine Beziehungen zu Kindern wegen nachfolgender schlechter Darstellung in den Medien in Panik geraten sein. In dem Film hatte Jackson dem Journalisten Martin Bashir gegenüber seine "Pyjama-Partys" mit Kindern als völlig "unschuldig" und harmlos dargestellt.

Der jetzt 15-jährige Hauptbelastungszeuge hatte während dieser Filmaufnahmen die Hand Jacksons gehalten und den Kopf auf seine Schulter gelegt. Später soll der Entertainer dann, so die Anklage weiter, den Jungen und seine Familie unter Androhungen gezwungen haben, in Florida einen Videofilm zu drehen, der Jacksons Verhalten gegenüber Kindern in einem positiven Licht darstellen sollte.

Der sexuelle Missbrauch, den auch der Bruder des Jungen bezeugen könne, soll sich im Anschluss im Schlafzimmer des Popstars ereignet haben, sagte der Staatsanwalt. Auf Jackson habe der Dokumentarfilm wie "ein Erdrutsch" gewirkt.

Im Falle einer Verurteilung durch die zwölfköpfige Geschworenenjury, in der kein Afroamerikaner ist, drohen Jackson 20 Jahre Haft. Der Popstar hat die Vorwürfe immer vehement bestritten. Neben den sexuellen Übergriffen sollen Jackson und ein Komplize dem Jungen und seinem Bruder pornographische Filme vorgeführt und Alkohol zu trinken gegeben haben.

Anke Ambratis, ddp

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