Jackson-Prozess Verrückter Held oder Kinderschänder?
Los Angeles - Mit der formellen Verlesung der Anklageschrift gegen Michael Jackson beginnt am Freitag in Santa Maria ein komplizierter juristischer Prozess, an dessen Ende eine Verurteilung wegen mehrfachen Kindesmissbrauchs stehen könnte. Sollte es zu einer Verhandlung kommen, wird wie in den USA üblich ein Geschworenengericht über Schuld oder Unschuld des Angeklagten entscheiden. Würde Jackson schuldig gesprochen, könnte das für ihn eine jahrzehntelange Haftstrafe bedeuten.
Die Anklageschrift umfasst neun Klagepunkte: sieben wegen sexueller Belästigung und Missbrauchs eines Minderjährigen, zwei wegen der Verabreichung von Rauschmitteln, um eine Straftat zu begehen.
Ungünstig könnte sich für Jackson erweisen, dass das Verfahren ausgerechnet im Bezirk Santa Maria stattfindet. Dort liegt der Anteil der Schwarzen an der Bevölkerung nach statistischen Angaben nur bei 2,3 Prozent. Nach Expertenmeinung könnte der Popstar vor mit schwarzen und weißen Geschworenen besetzten Jury bessere Chancen haben. Während Schwarze ihn immer noch als "einen Helden" betrachten, sagt der Jurist Harland Braun, der selber nicht in den Jackson-Fall verwickelt ist, der Nachrichtenagentur AP. "Weiße sehen ihn ihm einen verrückten Typen."
Seine Empfehlung an die Verteidigung lautet daher: den Prozess sollte möglichst in einen Bezirk verlegt werden, in dem Minderheiten einen höheren Anteil an der Bevölkerung hätten. Begründen könnten Jacksons Verteidiger das relativ einfach: Nach dem Gesetz hat jeder Angeklagte das Recht, sich vor einer Jury zu verteidigen, die nach Hautfarbe, Alter und Geschlecht repräsentativ besetzt ist.
Der Fall Jackson wird in den US-Medien bereits jetzt als Jahrhundertprozess betitelt. Anders als beim O. J. Simpson-Prozess wird diesmal aber die gesamte Weltpresse vor Ort sein. Zudem haben sich Fans aus aller Herren Länder nach Kalifornien aufgemacht, um Jackson zu unterstützen. Koordiniert von der Publizistin Angel Howansky werden sich die Fans für mehrere Tag in Santa Maria versammeln. Nach Angaben Howanskys haben sich bereits Jacksonfans aus Spanien, Frankreich, Großbritannien, Kanada, Mexiko und Japan angesagt, natürlich auch aus allen Staaten der USA.