Jackson unter Verdacht Hausdurchsuchung im Neverland
Los Angeles - Am Dienstagmorgen war es vorbei mit der beschaulichen Ruhe in Michael Jacksons Freizeit- und Wohnparadies: Dutzende Wagen fuhren vor, eine regelrechte Karawane, sogar eine portable Toilette hatten die Fahnder dabei. Dann begannen sie die Ranch zu durchkämmen, auf der Jackson mit seinen drei Kindern lebt. Was genau die etwa 70 Polizisten auf dem weitläufigen Gelände - im Zoo, den Karussells oder im riesigen Wohnhaus des King of Pop - zu finden hofften, wollten sie mit dem Verweis auf "laufende Kriminalermittlungen" nicht genauer benennen.
Auch ein Sprecher Jacksons wollte sich nicht weiter zu den Durchsuchungen äußern. Der Grund dafür sei weder ihm noch Jackson bekannt. Dennoch kündigte Stuart Backerman an: "Michael wird kooperieren."
Nach Angaben des US-amerikanischen Fernsehsenders Court-TV wurde die Hausdurchsuchung angeordnet, weil ein zwölfjähriges Kind den Musiker wegen sexueller Belästigung verklagt habe. Es wäre nicht das erste Mal, dass gegen den Sänger Beschuldigungen erhoben werden. Vor rund zehn Jahren einigte sich Jackson außergerichtlich mit einem damals 14-Jährigen, der ihn beschuldigt hatte, zudringlich geworden zu sein. Mehrere Millionen Dollar sollen an die Familie des Jungen geflossen sein.
Die Gerüchte um seine sexuellen Vorlieben hatte Jackson in der jüngsten Vergangenheit selbst wieder angefacht: In einer TV-Dokumentation des britischen Journalisten Martin Bashir, die im Frühjahr ausgestrahlt wurde, hatte Jackson erklärt, er schlafe regelmäßig mit Kindern in einem Bett, allerdings in einer "nicht-sexuellen Art und Weise". "Very charming, very sweet", sei das, "sehr entzückend, sehr süß". Überhaupt genössen es Kinder, angefasst zu werden, sagte er in der Dokumentation. Er würde sich umbringen, wenn er mit ihnen nicht mehr das Lager teilen dürfte.
Später versuchte der Star den Imageschaden, der durch die zweideutigen Äußerungen entstanden war, wieder wett zu machen: Bashirs Film sei "schrecklich und unfair", der Reporter habe sein Vertrauen missbraucht. Er würde niemals ein Kind unangemessen behandeln, ließ er über sein Londoner Pressebüro verbreiten. Wenig später strahlte der US-Fernsehsender Fox eine zweistündige Dokumentation aus, die Jackson selbst in Auftrag gegeben hatte.
Nach Angaben der "USA Today" war Jackson zum Zeitpunkt der Durchsuchungen nicht in Neverland. Seit zweieinhalb Wochen arbeite er in Las Vegas an seinem neuen Video, seine Kinder seien bei ihm. In einer Erklärung beklagte Jackson später, dass die Durchsuchungen gerade jetzt kämen. Fast scheine es, als ob die Anschuldigungen immer auftauchten, wenn er eine neue CD oder ein neues Video auf den Markt bringe. Ein Körnchen Wahrheit könnte dran sein: Am Tag der Hausdurchsuchung veröffentlichte das Label Epic Records in den USA eine Sammlung von Jacksons größten Hits ("Number Ones").
Was genau hinter dem Polizeieinsatz steht, wird wohl erst heute Abend herauskommen: Die Staatsanwaltschaft hat eine Pressekonferenz angekündigt.