BILDBAND Jäger der Wallfahrt
Im Morgengrauen werden die sechs Paar Rentiergeweihe aus dem Jahr 1065 in der Kirche von Abbots Bromley gesegnet, dann laufen, hüpfen, tanzen die Männer zu entfernten Dörfern und Höfen: Der »Horn Dance«, der Mut und Jagdglück beschwören soll, dauert bis Sonnenuntergang - eines der bizarren Rituale, die der Fotograf Jeremy Hunter in dem Bildband »Heilige Feste. Eine Reise um die Welt« dokumentiert. Hunter, ehemaliger Fernsehproduzent aus London, ergriff bei seinen Reisen als Auslandskorrespondent eines Nachrichtensenders jede Chance, an religiösen und traditionellen Festen teilzunehmen. Christliche Wallfahrten, brahmanische Bräuche, hinduistische Rituale: Die Fotos dokumentieren die Stimmung der Feste, deren Spiritualität und Geschichte. Die Ekstase des südamerikanischen Karnevals stellt er neben Gute-Laune-Bilder vom Alphornfest in Nesselwang. Hunter zeigt, wie man in Portugal auf blutenden Knien um die Kirche rutscht, wie man in Thailand Schwerter durch die Wangen sticht, ohne dass dabei ein Tropfen Blut vergossen wird, wie irische Pilger den felsigen Berg des heiligen Patrick hochmarschieren. Eines gilt überall: Wer feiern will, muss leiden können.
Jeremy Hunter: »Heilige Feste. Eine Reise um die Welt«. NicolaiVerlag, Berlin; 256 Seiten; 39,90 Euro.