James Beck - DER SPIEGEL
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Klüger werden mit: James Beck

Der 73-jährige Kunsthistoriker über den Umgang mit Michelangelos David-Statue
• aus DER SPIEGEL 10/2004
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Die David-Statue von Michelangelo wird zur Feier ihres 500. Geburtstags aufwendig gereinigt. Sie sind dagegen. Warum?

Beck: Weil es überflüssig ist. Seit 1873 steht David in der Galleria dell'Academia und ist seither geschützt vor Taubendreck. Er ist perfekt, so wie er ist, mit seinem dichten Haar und den buschigen Augenbrauen. Natürlich hat sich dort Schmutz angesammelt, aber das ist Teil seiner Patina. Leider wird ihm die jetzt fehlen. Aber Schlimmeres konnte ich verhindern.

SPIEGEL: Inwiefern?

Beck: Die Verantwortlichen in Florenz hatten plump gelogen. Angeblich sollte nur mit destilliertem Wasser gearbeitet werden. Gleichzeitig sprachen sie von Wachs, das zu entfernen sei. Wachs ist aber nicht wasserlöslich. Ich habe mit anderen Kunstexperten protestiert, bis wir schließlich erreicht haben, dass David keinen starken Chemikalien ausgesetzt wird.

SPIEGEL: Hat Michelangelo den Zerfall seiner Kunstwerke eingeplant?

Beck: Er wusste um den natürlichen Alterungsprozess. Es ist eine Schande, dass man heutzutage ständig darauf aus ist, die alten Kunstwerke dem modernen Geschmack anzupassen. Man denke nur an die Sklaven-Statuen aus Marmor, die in Davids Nähe stehen. Die sehen seit ihrer Restaurierung aus wie Seifenstücke.

SPIEGEL: Die Restauratoren müssten doch auf Ihrer Seite sein?

Beck: Wenn sie selbst auch Künstler sind - und nicht nur Techniker oder Wissenschaftler. Deswegen habe ich ArtWatch gegründet. Wir kämpfen dafür, dass bei Restaurierungen immer auch Künstler zu Rate gezogen werden. Damit nicht eines Tages noch irgend so ein Bürokrat auf die Idee kommt, eine Penisverlängerung bei David vorzunehmen.

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