Klüger werden mit: James Last
Der 75-jährige Orchesterchef über seine Zusammenarbeit mit Rappern und Punks
SPIEGEL: Auf Ihrem neuen Album »They call me Hansi« spielen Sie unter anderen gemeinsam mit dem Rapper »The RZA« und mit Xavier Naidoo. Wie war die Zusammenarbeit mit diesen Leuten, die Ihre Kinder oder gar Enkel sein könnten?
Last: Die Zusammenarbeit war natürlich erst einmal ein Zusammenprall. Da wurden Melodien am Computer rausgeschnitten, verfremdet und an anderer Stelle wieder eingefügt. Zuerst war ich verschreckt, dann aber habe ich es akzeptiert.
SPIEGEL: Aber für die sind Sie doch wohl ein Mann aus einer anderen Welt?
Last: Ich spiele für die jedenfalls nicht den erfahrenen Onkel. Das haben die nicht nötig. Ich habe mich vielmehr in denen wiedererkannt: Der Wille und die Präzision sind gleich. Und ich bin stolz, dass junge Künstler anerkennen, dass ich nie auf der Stelle getreten bin. Nächste Woche trete ich vier Tage hintereinander bei Stefan Raab in »TV total« auf.
SPIEGEL: Die Musikbranche liegt derzeit am Boden. Was raten Sie Newcomern?
Last: Das Übliche: fleißig sein, sich selbst treu bleiben, nicht oberflächlich werden. Das Ideal, das es anzustreben gilt, ist immer noch: das Handwerk beherrschen, um es vergessen zu können.
SPIEGEL: Disziplin ist also wichtiger als Spaß?
Last: Disziplin ist die Basis. Wenn der Bus um acht Uhr losfahren soll, sitzen bei mir alle um viertel vor acht drin, auch aus Achtung vor den anderen. Aus dieser Haltung heraus nähert man sich an. Ich versuche, die anderen zu verstehen. Der Spaß kommt dann von selbst.
SPIEGEL: Wann setzen Sie sich zur Ruhe?
Last: Ich sitze doch im Moment. Das ist Ruhe genug. Ein Künstler kann nicht aufhören.