Japan Erneut Bahn entgleist
Tokio - Ein Expresszug stieß heute mit einem Lastwagen zusammen und sprang aus den Schienen. Eine Katastrophe wie am Vortag blieb jedoch aus. Der Fahrer des Lastwagens habe leichte Verletzungen erlitten, berichtete die Bahngesellschaft JR East. Unter den Fahrgästen sei niemand verletzt. Der Unfall ereignete sich nahe eines Bahnübergangs.
Rund 24 Stunden nach der Zugkatastrophe von Amagasaki suchten auch heute noch Rettungskräfte unermüdlich nach weiteren Opfern, die in den völlig zerstörten Wagen eingeschlossen sein könnten. Am frühen Morgen konnten drei Menschen gerettet werden, darunter ein 19-jähriger Student. Die Zahl der Toten haben die Behörden mittlerweile auf 78 nach oben korrigiert. Jüngsten Medienberichten zufolge wurden mindestens 442 Menschen verletzt. Das Unglück hatte sich zum Ende der Rushhour in Amagasaki nahe Osaka, rund 400 Kilometer von Tokio entfernt, ereignet. Vermutlich wegen zu hoher Geschwindigkeit war der Expresszug in einer Kurve entgleist und in ein Wohnhaus gerast.
Die Polizei nahm derweil strafrechtliche Ermittlungen zur Unfallursache auf. Beamte suchten die Büros der Bahngesellschaft JR West auf, um Unterlagen zum Unfallhergang einzuholen. Die Polizei hält es für möglich, dass der Zug zu schnell in der Kurve fuhr oder Kieselsteine auf den Gleisen lagen. Möglicherweise habe es sich aber auch um eine Kombination von beidem gehandelt, hieß es.
Rettungskräfte fanden auf dem Fahrersitz einen uniformierten Mann, bei dem es sich vermutlich um den 23-jährigen Zugführer handelt. Ob er noch lebt, war zunächst unklar. Der junge Mann, der erst über elf Monate Berufserfahrung verfügte, war kurz vor dem schweren Unglück beim vorherigen Bahnhof zu weit gerollt und hatte zurücksetzen müssen. Er war deswegen 90 Sekunden verspätet abgefahren. JR West hatte gestern noch behauptet, der Fahrer sei lediglich 8 Meter zu weit gerollt. Heute hieß es jedoch, tatsächlich seien es 40 Meter gewesen.
Der Schaffner habe seinem Arbeitgeber JR West erklärt, dass der Zugführer ihn nach dem Vorfall gebeten habe, dem Kontrollzentrum eine kürzere Distanz zu melden, berichteten Medien. Nach dem Zurücksetzen habe der Zugführer dann scheinbar versucht, den Zeitverlust aufzuholen. Medien zitierten JR West, wonach der 23-jährige, der zuvor als Schaffner tätig war, bereits zwei Mal verwarnt worden war: 2002 hatte er es versäumt, die Notbremse zu betätigen, als ein Zug über einen Bahnhof hinausrollte. Ein Jahr später hatte ein Fahrgast sich beschwert, dass der Mann im Dienst "abwesend" gewirkt habe.