Japan Mindestens 67 Tote bei Zugunglück
Tokio - Auch Stunden nach dem Unglück waren noch Opfer unter den Trümmern verschüttet. Hunderte Rettungskräfte und Polizisten waren im Einsatz. Zur Unterstützung der Bergungsarbeiten entsandte die Regierung in Tokio Soldaten. Verkehrsminister Kazuo Kitagawa eilte an den Unglücksort. Er sprach von einer Tragödie. Ministerpräsident Junichiro Koizumi und Kaiser Akihito kondolierten den Angehörigen der Toten. Der Regierungschef versprach, alles zu tun, damit sich solch ein Unglück nicht wiederhole.
Von den insgesamt sieben Waggons, in denen 580 Passagiere saßen, stürzten fünf um, zwei davon in das Wohnhaus. Zuvor riss der Zug noch ein Auto mit sich, das ebenfalls völlig zerstört wurde. Ob es sich bei den Toten ausschließlich um Bahnreisende handelte oder ob auch Bewohner des Hauses oder Insassen des Fahrzeugs darunter waren, war zunächst nicht klar.
"Es gab eine gewaltige Erschütterung, und im nächsten Augenblick wurde ich zu Boden geworfen und landete oben auf einem Haufen anderer Leute", berichtete ein Überlebender dem Rundfunksender NHK. "Ich wusste nicht, was los war, und viele Menschen bluteten." Andere Überlebende sagten, die Fahrgäste seien quer durch die Waggons geschleudert worden.
Die Ursache des Unglücks war zunächst unklar. Überlebende sagten NHK, der Zug sei vermutlich zu schnell in eine Kurve gefahren. Um aus der Spur geschleudert zu werden, hätte der Zug nach Einschätzung des Sicherheitsdirektors der betroffenen Eisenbahngesellschaft JR West mehr als 130 Kilometer pro Stunde fahren müssen. Vorgeschrieben sind an der Stelle 70 Stundenkilometer.
Die Eisenbahngesellschaft entschuldigte sich bei den Opfern und deren Angehörigen. Sie erklärte, der Zug sei bei der letzten Bahnstation vor dem Unfall über die Haltelinie hinausgeschossen. Dies sei dem Triebwagenführer bereits einmal im Juni 2004 passiert, damals habe er eine Verwarnung erhalten. Der Mann sei erst 23 Jahre alt und erst seit elf Monaten als Lokführer im Einsatz. Er galt am Abend noch als vermisst.
Die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete, zwar sei die Strecke mit einem automatischen Bremssystem ausgestattet, das Züge bei Anzeichen von Problemen stoppen sollte. Das in Amagasaki eingesetzte System sei aber eines der ältesten in ganz Japan.
Im November 1963 waren bei einem Zugunglück in Tsurumi bei Tokio 161 Menschen ums Leben gekommen.
Koji Sasahara, ap