Japan: Urteil gegen Mr. Giftgas - DER SPIEGEL
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Japan Urteil gegen Mr. Giftgas

Er versprach die Erleuchtung und brachte den Tod. Chizuo Matsumoto, besser bekannt als Shoko Asahara, ist Japans berühmtester Häftling. Er soll für den Giftgasanschlag auf die Tokioter U-Bahn verantwortlich sein, bei dem 1995 zwölf Menschen starben. Jetzt wird das Urteil über den Gründer der Aum-Sekte erwartet.
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Tokio - Der halb blinde Asahara wird morgen nach allgemeiner Erwartung in erster Instanz zum Tode verurteilt werden. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, für den Saringas-Anschlag auf die Tokioter U-Bahn am 20. März 1995 verantwortlich zu sein, bei dem zwölf Menschen starben und Tausende verletzt wurden. Von den 189 wegen Aum-Verbrechen angeklagten Menschen sind bisher elf zum Tode verurteilt worden. Mit Asahara, 48, wird der letzte Angeklagte verurteilt.

Asahara hat seit Prozessauftakt fast nur geschwiegen. Er gilt als der Drahtzieher mehrerer von seinen Jüngern begangener Verbrechen, bei denen mehr als 20 Menschen ums Leben kamen. Die Verteidigung hält Asahara für unschuldig. Seine Jünger hätten eigenmächtig gehandelt. Doch Geständnisse früherer Sektenmitglieder haben seine Verteidigung schwer geschwächt. Um den Prozess gegen Asahara zu beschleunigen, hatte das Tokioter Gericht unter anderem die Zahl der Anklagepunkte von 17 auf 13 reduziert. Die bisher zum Tode Verurteilten haben alle Berufung eingelegt, was auch im Falle Asaharas möglich ist. Damit könnte sich der Marathon-Prozess gegen ihn noch lange Zeit hinziehen.

Nach Einschätzung der nationalen Sicherheitsbehörde hat Asahara immer noch starken Einfluss auf die Sekte. Obgleich sich die inzwischen umbenannte Sekte von Gewalt losgesagt hat, steht sie weiterhin unter scharfer staatlicher Beobachtung. Derweil leiden viele der Opfer des Saringas-Anschlages auf die Tokioter U-Bahn auch Jahre danach weiter unter den physischen und psychischen Folgen.

Über Asahara gibt es unglaubliche Geschichten. Anhänger würden mit bizarren Riten traktiert. Für viel Geld habe er sein Blut und Badewasser sowie Elektrodenmützen zur Kommunikation mit seinen Hirnströmen verkauft. Gefolgschaft soll mit Drogen und Folter erzwungen worden sein. Er verlangte angeblich Morde als Mutproben und Loyalitätsbeweise. Opfer von Riten würden in riesigen Mikrowellenherden beseitigt.

Asahara nutzte das spirituelle Vakuum, das nach den wirtschaftlichen Boom-Jahren in Japan entstanden war und die junge Generation zu neuen Religionen wie Aum trieb. Tausende sahen in ihm eine charismatische Vaterfigur, bei der sie sich verstanden fühlten und ihnen eine Alternative bot, um aus den Zwängen der Gesellschaft auszubrechen. Er versprach Erleuchtung und ein besseres Leben, zugleich kündigte er das Ende der menschlichen Zivilisation an.