Jolo "Der Krieg hat begonnen"
Jolo - "Der Krieg hat begonnen", sagte ein Regierungsvertreter. Die Verhandlungen mit den Geiselnehmern seien abgebrochen worden. Über das Schicksal der Geiseln, die von der Rebellengruppe Abu Sayyaf zum Teil seit Monaten festhalten werden, war zunächst nichts bekannt. Unter den Geiseln sind zwei Franzosen und ein Amerikaner. Die Rebellen hatten auch die inzwischen freigelassene Göttinger Familie Wallert entführt.
Er habe die schwierige Entscheidung getroffen und die Militäraktion im Wissen um das Risiko für Geiseln und Soldaten angeordnet, sagte Präsident Estrada in einer Fernsehansprache. Es sei klar geworden, dass er habe handeln müssen. "Und ich handle entschlossen."
Über den Angriff des Militärs waren zunächst wenige Einzelheiten bekannt. Bewohner, die aus dem Dschungel im Zentrum der Insel in die Stadt Jolo geflohen waren, berichteten, an dem Angriff hätten Einheiten der Marine und der Armee sowie Eliteeinheiten der Polizei teilgenommen. Die Anwohner sahen Flugzeuge in Richtung Dschungel fliegen und hörten Detonationen. Die Maschinen waren anscheinend im benachbarten Zamboanga gestartet. Die Rebellen wurden von Hubschraubern und Jagdbombern beschossen. Aus den Kreisen auf Jolo verlautete, in und vor Jolo-Stadt hätten Hunderte Soldaten Stellung bezogen. Zwei aus vier Bataillonen bestehende Brigaden der Armee seien gelandet. Das wären mehr als 3000 Soldaten. Landungseinheiten brachten die Soldaten an Land, viele von ihnen bezogen in und um Jolo sowie in der Nähe der Rebellen-Lager Stellung.
Die Rebellen halten 13 Philippiner, drei Malaysier, zwei französische Fernsehjournalisten und den 24-jährigen Amerikaner Jeffrey Schilling gefangen. Der philippinische Chefunterhändler Robert Aventajado sagte, die Rebellen hätten die Grenze überschritten, als sie am vergangenen Sonntag erneut drei Menschen von einer malaysischen Insel entführt hätten. Nun liege alles in der Hand Gottes und des Militärs. Über das Schicksal der Entführten wusste Aventajado nach eigenen Angaben nichts. Die Rebellen haben gedroht, ihre Geiseln umzubringen, sollte das Militär angreifen.
US-Verteidigungsminister William Cohen sagte in der philippinischen Hauptstadt Manila, die USA seien an dem Militärschlag nicht beteiligt. Estrada habe ihm am späten Freitagabend berichtet, dass sich die Situation so verschlechtert habe, dass ein Angriff erforderlich sei. Die USA hofften, das Vorgehen des Militärs werde erfolgreich sein. Die USA hatten die Zahlung eines Lösegelds für Schilling und jegliche andere Zugeständnisse an die Entführer abgelehnt.