Jolo Marc Wallert muss weiter warten
Zamboanga - Die Entführer wollten nach Angaben der Unterhändler nur drei der sechs westlichen Geiseln auf freien Fuß setzen. Dies lehnte der philippinische Chefunterhändler Robert Aventajado ab. Er bestand darauf, dass die Moslemextremisten alle sechs noch festgehaltenen Europäer auf einmal gehen lassen. Mit weniger werde man sich nicht zufrieden geben. Die Verhandlungen mit der Moslemorganisation Abu Sayyaf sollen am Samstag weitergehen.
Aventajado sagte, er habe am Freitag vergeblich versucht, den Anführer der Kidnapper, Ghalib Andang alias "Commander Robot", telefonisch zu erreichen. Wie es hieß, nahm Andang an der Beerdigung des Bruders eines Abu-Sayyaf-Anführers teil, der am Mittwoch bei einem Motorradunfall tödlich verunglückt war. "Wir sind nicht mit der Freilassung von weniger als sechs (Geiseln) einverstanden", sagte Aventajado. "Wir wollen nicht, dass er (Andang) sein Versprechen bricht. Wir müssen darauf bestehen", erklärte der Chefunterhändler.
Ursprünglich hatte die Abu Sayyaf versprochen, alle sechs europäischen Geiseln am Freitag freizulassen. Neben Marc Wallert sind dies zwei Finnen und ein Franzose, die zusammen mit dem Göttinger und dessen Eltern sowie 18 weiteren Personen am Ostersonntag von der malaysischen Ferieninsel Sipadan nach Jolo verschleppt worden waren. Außerdem hält die Abu Sayyaf seit Anfang Juli zwei französische Journalisten fest.
Über den Grund der erneuten Verzögerungen gab es unterschiedliche Informationen. Ein Mitglied der Abu Sayyaf sagte auf Jolo, Andang sei nicht bereit, alle Geiseln gehen zu lassen, weil er ohne dieses Faustpfand offenbar einen militärischen Angriff befürchte. Andere Quellen berichteten von einem Streit über die vereinbarte Lösegeldzahlung. Die libyschen Vermittler hätten nur vier Millionen Dollar Lösegeld mitgebracht, hieß es aus Kreisen der Unterhändler. Die Abu Sayyaf verlangt jedoch für die Freilassung jeder westlichen Geisel eine Million Dollar. Für zwei noch festgehaltene französischen Journalisten will Libyen dem Vernehmen nach nicht zahlen, sondern deren Arbeitgeber in die Pflicht nehmen.
Seit dem 28. August hält eine andere Splittergruppe von Abu Sayyaf außerdem einen Amerikaner gefangen. Jeffrey Schilling hatte zusammen mit seiner Lebensgefährtin, der Philippinin Ivi Osani, ein Lager der Abu Sayyaf besucht. Nach Angaben des Pressesprechers des philippinischen Präsidenten, Ricardo Puno, befindet sich Schilling in guter Verfassung. "Er wird nicht schlecht behandelt, es geht ihm gut", sagte Puno.