Jolo: SPIEGEL-Korrespondent offenbar entführt - DER SPIEGEL
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Jolo SPIEGEL-Korrespondent offenbar entführt

SPIEGEL-Redakteur Andreas Lorenz, der über die Geiselnahme auf Jolo berichtet hat, ist offenbar verschleppt worden. Laut dem Polizeichef der malaysischen Region Sulu wird der Journalist von Abu Sayyaf-Rebellen festgehalten. Die Redaktion hat derzeit keinen Kontakt zu Lorenz.
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Jolo/Hamburg - Der Journalist hat sich nach Informationen von Polizeichef Candido Casimiro in einem Cafe im Zentrum der Inselhauptstadt mit vier der Rebellen getroffen, um ein Interview mit den 20 Geiseln zu vereinbaren. Anschließend sei er mit ihnen in den Dschungel gefahren, wo ihn plötzlich Dutzende von Abu-Sayyaf-Mitgliedern mit vorgehaltener Waffe gezwungen hätten, in ein anderes Fahrzeug umzusteigen, berichtete sein Fahrer Yakub Paradji.

Lorenz habe sich noch losreißen wollen, sei dann aber von zwei Guerilleros an den Armen gepackt und weggezerrt worden. Sie hätten ihm gesagt, dass er aufhören solle zu schreien. Auch er selbst sei mit einer Waffe bedroht worden, berichtete Paradji. Dann hätten die Rebellen ihm befohlen zu verschwinden.

Am Sonntagmorgen hatte der 48-jährige Lorenz noch mit seiner Frau in Berlin telefoniert und ihr versichert, dass er die Stadt Jolo nicht verlassen wolle. Er hatte geplant, sich mit einem Kontaktmann zu treffen, der ihm Tonbänder mit Aufnahmen der von den Abu-Sayyaf-Rebellen entführten deutschen Familie Wallert übergeben wollte. Lorenz wollte dem Telefonat zufolge ausdrücklich nicht in das Camp der Rebellen fahren. Ein weiteres für Sonntagnachmittag verabredetes Telefonat ist nicht zustande gekommen. Mehrere Mitarbeiter des SPIEGEL werden schnellstmöglich in die südostasiatische Region reisen, um mehr über das Schicksal des Kollegen in Erfahrung zu bringen. Lorenz war für den SPIEGEL in den vergangenen Jahren unter anderem als Korrespondent in China, Südostasien und Moskau unterwegs.

Lorenz war bereits vor einem Monat gemeinsam mit anderen deutschen Journalisten im Urwald kurzzeitig von Abu Sayyaf-Mitgliedern als Geisel genommen worden. Die Reporter waren erst gegen ein Lösegeld von 25.000 US-Dollar wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Andreas Lorenz war danach abgereist, nach der Freilassung einer malaysischen Geisel am vergangenen Freitag aber nach Jolo zurückgekehrt.