Jonathan Kaplan - DER SPIEGEL
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Klüger werden mit: Jonathan Kaplan

Der 40-jährige Arzt über seine Einsätze in Kriegsgebieten
• aus DER SPIEGEL 18/2003
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: In Ihrem Buch »Notversorgung« beschreiben Sie Ihre Arbeit als Chirurg in Kriegsgebieten. Wann fahren Sie wieder los?

Kaplan: Ich hoffe, noch diese Woche. Das Warten und Nichts-tun-Können macht mich langsam verrückt. Gleichzeitig bin ich auf Hilfsorganisationen angewiesen, und bisher war die Lage im Irak noch zu instabil.

SPIEGEL: Warum zieht es Sie immer wieder nach Eritrea, Angola, Mosambik oder wie jetzt in den Irak?

Kaplan: Ich bin im Südafrika der Apartheid aufgewachsen, auf der privilegierten Seite. Für mein Medizinstudium war das politische System von Vorteil, denn unser Arbeitsmaterial war einzigartig. Alle fünf Minuten lag eine neue, noch schlimmere Verletzung auf meinem Tisch. Mit der Zeit bekam ich ein schlechtes Gewissen, weil ein Großteil meines Könnens auf dem Leid der unterdrückten Schwarzen basiert.

SPIEGEL: Sie jagen also dem guten Gewissen hinterher?

Kaplan: Na ja, ich bin auch ein Mensch, der das Chaos braucht. Routine macht mir Angst, Alltagsprobleme wie beispielsweise der Kauf einer Küche überfordern mich. Ich funktioniere am besten, wenn ich unter miserablen Bedingungen arbeite und mich nebenbei noch um meine eigene Sicherheit kümmern muss. In jedem Jahr fahre ich in ein Krisenland, für maximal drei Monate. Mehr wäre nicht auszuhalten.

SPIEGEL: Empfinden Sie Hass gegenüber Leuten, die andere Menschen im Krieg verstümmeln?

Kaplan: Ich hasse viele politische Entscheidungen, aber keine einzelnen Personen. Einige meiner Patienten sind ja selbst Täter gewesen. Ich habe auch keine Zeit, darüber nachzudenken. Die Zeit verwende ich lieber dafür, mir zu überlegen, wie ich beispielsweise aus einem Latex-Handschuh ein Lungenventil basteln kann.

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