Justiz Boulevard-Luder wird Millionenerbin
Nürnberg - Der Erbschein, mit dem Tatjana Gsell, 32, über das Erbe ihres verstorbenen Mannes verfügen kann, sei aber noch nicht zugestellt, teilte ein Sprecher der Nürnberger Justiz mit. Vorher muss noch eine Gebühr bezahlt werden.
Tatjana Gsell saß von April bis Oktober in Untersuchungshaft - 173 Tage lang. Das Vermögen, das sie nun bekommt, soll knapp 2,2 Millionen Euro betragen und hauptsächlich aus der Villa ihres verstorbenen Mannes bestehen. Die 32-Jährige kann aller Voraussicht nach schon im Januar über ihr Erbe verfügen, fügte der Sprecher hinzu. "Das Gericht hat extra noch einmal die Akten des Strafverfahrens Gsell kommen lassen. Man hat aber nichts gefunden, was gegen die Ausstellung des Erbscheins spricht", sagte der Gerichtssprecher.
Ihr Mann war im Januar dieses Jahres in seinem Haus niedergeschlagen worden und Ende März an den Folgen der dabei erlittenen Verletzungen gestorben. Ermittler hatten Tatjana Gsell monatelang indirekt für den Tod verantwortlich gemacht. Sie hatten ihr vorgeworfen, Mitglieder einer Autoschieberbande zum Überfall auf Franz Gsell in der gemeinsamen Villa angestiftet zu haben. Sie sollten dabei ihre dort abgestellte Luxus-Limousine rauben und sie nach Osteuropa verschieben. Dafür sollte sie - neben der Versicherungssumme - rund 30.000 Euro erhalten. Als der Verdacht auf versuchten Versicherungsbetrug zusammenschrumpfte, wurde Gsell Ende Oktober aus der Untersuchungshaft entlassen.
Tanja Gick hatte als 18-jährige Deutschlands bekanntesten Schönheitschirurgen geheiratet, der sie mehrfach operierte. Nach elf Jahren Ehe wurde sie die Geliebte des Düsseldorfer Autohändlers Helmut Becker. Als dessen Imperium zusammenbrach, hunderte von Angestellten um ihre Jobs bangten, vergnügte sich das Paar im spanischen Marbella. Als die beiden in Geldnöte geraten, erinnerte sich Tatjana Gsell an ihre Luxuslimousine im heimischen Nürnberg.
Hauptverdächtige für den Überfall auf Franz Gsell sind zwei Männer, die zu einer Autoschieberbande gehören sollen. Der 47-jährige Velimir V. gilt als Kopf der Bande, die für den tödlichen Überfall verantwortlich gemacht wird. Er wurde im November von Griechenland an die Nürnberger Justiz ausgeliefert.
Velimir V. und ein bereits in Nürnberg inhaftierter 33-Jähriger sollen dem Promi-Arzt möglicherweise die letztendlich tödlichen Schläge und Verletzungen zugefügt haben.