Justiz: Jackson-Prozess nähert sich dem Ende - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Justiz Jackson-Prozess nähert sich dem Ende

Die Verteidiger von Popstar Michael Jackson haben ihre Beweisaufnahme in dem Verfahren wegen sexuellen Kindesmissbrauchs nach nur drei Wochen abgeschlossen. Als letzten von 50 Zeugen ließen sie den Schauspieler Chris Tucker zu Wort kommen. Jackson selbst wird nicht aussagen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Santa Maria – Die Staatsanwaltschaft will voraussichtlich bis Donnerstag weitere Zeugen aufrufen. Damit könnten in der kommenden Woche viel schneller als erwartet beide Seiten ihre Schlussplädoyers halten.

Als letzter Entlastungszeuge trat der Schauspieler Chris Tucker auf. Nach anfänglicher Freundschaft mit dem damals krebskranken Jungen, der jetzt Jackson des sexuellen Missbrauchs beschuldigt, sei er misstrauisch geworden, gab Tucker zu Protokoll. Im Februar 2003 habe er den Popstar gewarnt, dass etwas mit dem Jungen nicht stimme. Die Familie sei bei Dreharbeiten von ihm in Las Vegas erschienen und habe sich geweigert, wieder abzureisen. Er habe ihnen das Hotel und Auslagen bezahlt, und nach einigen Wochen seien sie immer noch da gewesen. „Ich wurde nervös“, sagte Tucker.

Am Tag zuvor war der prominente US-Talkmaster Jay Leno vor der Jury erschienen. Zahlreiche Anrufe des kleinen Patienten vor fünf Jahren hätten ihn misstrauisch gemacht, sagte er. Der damals Zehnjährige habe sich wie ein Erwachsener angehört, der vorgefertigte Sätze abliest. Er habe die Anrufe des Jungen ein Mal erwidert, dann aber den Kontakt eingestellt, sagte Leno. Das angebliche Missbrauchopfer hatte bei seiner Aussage vor wenigen Wochen abgestritten, jemals mit Leno gesprochen zu haben.

Als größten Pluspunkt für die Verteidigung werteten Prozessbeobachter die Aussage einer Anwaltsassistentin, die Ende der 90er Jahre der Mutter des angeblichen Opfers in einer Zivilklage half. Damals hatte die Familie in einem Streit um angeblichen Ladendiebstahl ein Warenhaus auf Schadenersatz verklagt. Die Mutter habe ihr anvertraut, dass ihre blauen Flecken und Verletzungen nicht von handgreiflichen Sicherheitskräften, sondern von ihrem Ehemann verursacht worden waren.

Michael Jackson ist angeklagt, vor zwei Jahren auf seiner Neverland Ranch einen damals 13 Jahre alten Jungen sexuell missbraucht zu haben. Die Verteidigung hat in dem Prozess versucht, Jackson als Opfer falscher Anschuldigungen darzustellen. Die Mutter des krebskranken Jungen sei eine Gaunerin, die weitere Prominente um Geld angegangen und andere betrogen habe.