Justiz: Mutmaßlicher NS-Verbrecher bestreitet 164 Morde - DER SPIEGEL
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Justiz Mutmaßlicher NS-Verbrecher bestreitet 164 Morde

Ein 86-jähriger mutmaßlicher NS-Verbrecher, der in München vor Gericht steht, hat Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen, für 164 Morde verantwortlich zu sein. Nach Überzeugung der Anklagebehörde hat der gebürtige Slowake Anfang 1945 den Befehl zu einem Massaker gegeben. Vor Gericht beteuerte er: "Ich bin unschuldig".
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München - Es gebe Hinweise darauf, dass SS-Offiziere für die Taten verantwortlich seien, ließ der angeklagte Ladislav Niznansky über seinen Anwalt Steffen Ufer mitteilen. Der Verteidiger verlas heute zum Prozessauftakt eine Erklärung vor dem Münchner Schwurgericht.

Der 86-Jährige wurde Anfang des Jahres in München verhaftet, wo er zuletzt lebte. Als slowakischer Hauptmann im Kampf gegen Partisanen eingesetzt, soll er am 21. Januar 1945 Massaker in den slowakischen Ortschaften Ostry Grun und Klak angeordnet haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft befahl er damals, "keine lebende Seele" dürfe entkommen.

Die Abwehrgruppe 218 "Edelweiß", deren slowakischer Abteilung der Angeklagte vorstand, ermordete an dem Tag nach Erkenntnissen der Ermittler 146 Zivilisten. Das jüngste Opfer sei drei Monate, das älteste 89 Jahre alt gewesen. Niznansky habe sich "willkürlich als Herr über Leben" aufgeführt und mindestens 20 Personen mit seiner Maschinenpistole eigenhändig ermordet. Ablauf und Dauer der Erschießungen offenbarten eine "unbarmherzige, gefühllose Gesinnung".

Wehrlose Menschen erschossen

Am 7. Februar 1945 ließ der Hauptmann der Anklage zufolge nahe dem Ort Ksinna 18 wehrlose Juden erschießen, die sich in einem Wald versteckt hatten. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft war der Grund dafür Rassenhass. Niznansky habe das Hinrichtungskommando zusammengestellt, sagte der Staatsanwalt.

Niznansky erklärte, er sei als slowakischer Hauptmann nach seiner Gefangennahme durch die Deutschen 1944 in die Edelweiß-Gruppe eingetreten, um einem KZ-ähnlichen Arbeitslager zu entgehen. Er habe aber nie die Hand gegen Frauen oder Kinder erhoben und habe das auch nie befohlen. Sein Verteidiger sagte, der Hauptbelastungszeuge habe seine Aussage nach Jahrzehnten plötzlich geändert. Alle Überlebenden der Massaker von Ostry Grun hätten den Todesschützen als deutschen Offizier beschrieben. Ein SS-Trupp sei für die Massaker von Ostry Grun und Klak verantwortlich.

Niznansky war 1946 von einem slowakischen Volksgericht freigesprochen und vom Militärgeheimdienst als Spion nach Österreich geschickt worden. Er war aber übergelaufen und hatte für den US-Sender Radio Free Europe in München gearbeitet. Von einem tschechoslowakischen Gericht wurde er 1962 wegen der Massaker in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Nach neu aufgerollten Ermittlungen wurde Niznansky verhaftet. In dem Prozess sollen bis Ende Oktober 24 Zeugen vernommen werden.