Justiz Reich werden mit Bin Laden
New York/Hamburg - Zwei Klagen sind bei dem Bezirksrichter Harold Baer von Angehörigen der Opfer eingegangen. Im Oktober klagte eine Witwe, deren Mann im World Trade Center ums Leben gekommen war, gegen Osama Bin Laden, al-Qaida, die Taliban und Afghanistan.
Die zweite Klage wurde von den Angehörigen des Geschäftsmannes George Eric Smith eingereicht. Er kam ebenfalls im WTC um.
Die Kanzlei von Jim Beasley, Anwalt in Philadelphia, hat das Schreiben formuliert. "Die Klage gibt den Familien einen Sinn. Sie tun etwas, um ihre Angehörigen zu ehren und sich an sie zu erinnern", sagt er.
56 Millionen Dollar sind auch ein Grund zu klagen
Beasley gibt aber auch zu, das es um viel Geld geht. Die Klagen sind keine reine Formsache. Schätzungsweise 56 Millionen US-Dollar liegen weltweit auf Konten der Taliban und der Terroristen-Organisation al-Qaida. Durch die Justiz besteht eine Chance, an sie heranzukommen.
Die Angehörigen sollen nun nicht warten müssen, bis Bin Laden gefasst ist oder sein Tod festgestellt wurde. Denn dann wäre es schwierig und sehr zeitaufwändig, eine Klage gegen seine Hinterbliebenen in Saudi-Arabien oder Afghanistan anzustreben.
Schließlich ist Bin Laden die saudi-arabische Staatsbürgerschaft entzogen worden, und in Afghanistan ist das Rechtssystem noch nicht aufgebaut. Die Terror-Millionen lägen erstmal fest.
Ungewöhnliche Umstände, erfordern...
Probleme bereitet in diesem Fall aber noch etwas anderes. Normalerweise erfahren Beklagte auf dem Postweg, dass eine Klage gegen sie vorliegt. Doch das gestaltet sich hier als schwierig. "Die unglückliche Realität sieht so aus, dass niemand den genauen Aufenthaltsort von Bin Laden kennt. Und es ist nicht unwahrscheinlich, dass er sich auch weiterhin einer Gefangennahme entzieht", begründet Richter Baer deshalb eine ungewöhnliche Entscheidung.
Kläger können dem Terroristen jetzt über Medien die formale Mitteilung machen, dass sie gegen ihn Klagen. Sechs Wochen lang sollen unter anderem die afghanischen Zeitungen "Hewad" und "Kabul Times" sowie die Fernsehsender al-Dschasirah, CNN und BBC World die Klage verbreiten.
Es sei entscheidend, so Richter Baer, die einzelnen Rechtsschritte genauestens abzuwägen, damit Bin Ladens Anwälte später nicht einen etwaigen Prozess wegen Formfehlern zu Fall bringen könnten.
Bislang ist unklar, ob die Medien bereits mit der Verbreitung der Schriften begonnen haben. BBC World, erklärte jedenfalls auf Anfrage, man wisse nichts von der Geschichte.
Geschlechtertausch im Nachrichtenwirrwar
Die Geschichte der Klagen gegen den Terrorismus treibt derweil merkwürdige Blüten. So will der Nachrichtensender News24 wissen, dass einer der beiden Kläger auch den Irak verklagt hat.
"Die Beweise sind überzeugend, dass der Irak in die Anschläge vom 11. September verwickelt war, bei denen die Frau unseres Klienten ums Leben gekommen ist", sagt der Anwalt Larry Klaymann laut News24.
Die Rede ist von der selben Klage, doch haben hier Opfer und Kläger das Geschlecht getauscht. Auch der Anwalt ist auf einmal ein anderer.
Klage wegen Bluthochdruck
Doch es gibt noch wildere Auswüchse: So richtig wissen wollen es offenbar zwei Männer aus Florida. Wie "Tampa Bay Online" berichtet, haben sie Osama Bin Laden auf 1,1 Billionen Dollar verklagt.
Begründung: Der Terroristen-Führer habe sie bedroht und so emotionalem Stress ausgesetzt. Das wiederum habe zu gesundheitlichen Störungen wie Bluthochdruck und Magenproblemen geführt.
Einer der beiden Kläger gab zu, es sei "sehr unwahrscheinlich", dass Bin Laden im Gerichtssaal auftauchen werde. Die beiden hatten den Fall beim Bezirksgericht eingereicht. Ein Verhandlungstermin wurde nicht festgesetzt.