Justiz Strafbefehl gegen Witwe Gsell
Nürnberg - Gsell wird gemeinschaftlicher versuchter Versicherungsmissbrauch, Vortäuschen einer Straftat, versuchter Betrug sowie Unterschlagung vorgeworfen. Das teilte das Nürnberger Amtsgericht heute mit.
Das Gericht machte zwar keine Angaben zur Strafhöhe. Aus Justizkreisen verlautete jedoch, dass der Strafbefehl ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung - das ist die höchstmögliche Strafe auf diesem Weg - und 72.000 Euro Geldstrafe beinhaltet. Gsell kann nun binnen zwei Wochen Einspruch einlegen.
Gegen drei beteiligte Autoschieber und einen Aushilfsfahrer hat die Staatsanwaltschaft Anklage wegen versuchten Betrugs erhoben. Dem Aushilfsfahrer wird zudem Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. Er soll Franz Gsell im Streit zusammengeschlagen haben.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft plante Tatjana Gsell dem Chef der Schieberbande ihren Mercedes SL für 30.000 Euro zu überlassen. Dann wollte sie den Wagen der Versicherung als gestohlen melden. Ihr Mann sollte das Geld in Empfang nehmen. Im Gegenzug sollte er die Fahrzeugpapiere und Schlüssel aushändigen. Als die Schieber den Mercedes am 5. Januar 2003 abholen, aber nicht zahlen wollten, behielt der Arzt die Schlüssel. Dann kam es den Ermittlungen zufolge zu einer Schlägerei.
Beim Sturz gegen das Treppengeländer erlitt Gsell Rippenbrüche und eine Lungenquetschung. Franz Gsell starb zwei Monate später im Krankenhaus.
Nach Ermittlerangaben versteckte Gsell und ein in den Betrug verwickelter Staatsanwalt Schmuck und Bargeld im Haus. So sollte ein Raubüberfall vorgetäuscht werden.
Inzwischen konnte die geständige Witwe, die im Oktober nach sechs Monaten Untersuchungshaft frei kam, das Erbe ihres Mannes antreten.