Missbrauchsskandal in Schweden Arnault legt Berufung ein
Jean-Claude Arnault (Archivbild vom September 2018)
Foto: JONATHAN NACKSTRAND/ AFPDer in Schweden wegen Vergewaltigung zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe verurteilte Franzose Jean-Claude Arnault will in Berufung gehen. Das zuständige Berufungsgericht bestätigte einen entsprechenden Bericht der Zeitung "Aftonbladet".
Arnault, Auslöser des Eklats um den für dieses Jahr abgesagten Literaturnobelpreis, sitzt derzeit in Haft. Im Berufungsantrag fordert sein Anwalt, das Urteil wegen Vergewaltigung und den Haftbefehl gegen ihn aufzuheben. Ein Termin für eine erneute Gerichtsverhandlung steht noch nicht fest.
Der Verurteilte ist verheiratet mit Katarina Frostenson, Ex-Mitglied des Literaturnobelpreisgremiums. Einem Bericht der Zeitung "Svenska Dagbladet" zufolge sollen insgesamt 18 Frauen dem Franzosen sexuelle Übergriffe vorwerfen.
Vor Gericht wurde aber nur der Fall einer Frau verhandelt, die aussagte, von Arnault vergewaltigt worden zu sein. Er bestritt die Vorwürfe. Der Angeklagte sei der Vergewaltigung in der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober 2011 schuldig, urteilte ein Gericht in Stockholm.
Der Umgang mit dem Skandal sorgte innerhalb der Akademie für großen Streit (lesen Sie hier eine ausführliche Chronologie). Sechs der insgesamt 18 Mitglieder legten ihre Ämter nieder, unter ihnen auch Arnaults Ehefrau. Die Vergabe des diesjährigen Literaturnobelpreises wurde auf das Jahr 2019 verschoben.
Im Zuge des Skandals war auch bekannt geworden, dass ein von Arnault geführtes Kulturinstitut durch die Akademie über Jahre hinweg mit hohen Summen gefördert worden war. Die Akademie kappte inzwischen alle Verbindungen zu Arnault und dessen Institut. Eine Anklage wegen Korruption wurde aus Mangel an Beweisen fallengelassen.