Norwegischer Attentäter Breivik schickte Brief an Beate Zschäpe
Breivik vor Gericht (Archivbild): "Ich werde sie als nationale Helden feiern"
Foto: POOL/ REUTERSHamburg - Anders Breivik müht sich offenbar um Verbündete in Deutschland. Sein Mandant habe einen langen Brief an Beate Zschäpe geschickt, sagte Odd Ivar Grøn, einer von Breiviks Anwälten am Samstag der norwegischen Zeitung "Dagbladet" .
Zschäpe gehört nach Ansicht des Bundesgerichtshofs der Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) an, die im vergangenen Jahrzehnt zahlreiche Morde an Ausländern verübt haben soll. Breivik wolle Zschäpe seine moralische Unterstützung anbieten, sagte Grøn. Er habe sie zudem eingeladen, Mitglied seiner Organisation zu werden.
Bereits zuvor soll Breivik von Zschäpe gesprochen haben. Immer wieder erwähnte er demnach auch Peter Mangs, einen Schweden, der im Jahr 2003 zwei Schwarze und 2009 eine Schwedin getötet haben soll. Vor gut einem Monat zitierten norwegische Zeitungen Aussagen Breiviks aus einem Polizeiverhör. Darin habe er gesagt: "Ich werde sie [Zschäpe und Mangs] als nationale Helden Deutschlands und Schwedens feiern und ihnen Zugang zu meinem nationalistischen revolutionären Netzwerk anbieten."
Unklar ist, ob Zschäpe auf die Versuche der Kontaktaufnahme reagiert hat. Zschäpes Anwalt wollte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE keine Stellungnahme abgeben.
Ermittler halten Breivik für Einzeltäter
Anders Breivik ist nach Ansicht vieler Experten ein Gerngroß. Neun Jahre seines Lebens hat der selbsternannte Tempelritter der Ausarbeitung einer irren Ideologie gewidmet, dann zog er aus und ermordete in der norwegischen Hauptstadt Oslo und auf der Insel Utøya insgesamt 77 Menschen.
In seinem 1518 Seiten starken "Manifest" macht er vielsagende Andeutungen auf eine größere, antiislamische und anti-multikulturalistische Bewegung, prahlt mit angeblichen Geheimtreffen zwischen ihm und weiteren Gesinnungsgenossen. Das meiste lässt sich kaum überprüfen, vor Gericht verstrickt sich Breivik immer wieder in Widersprüche. Entsprechend liegt der Verdacht nahe, dass Breivik beharrlich versucht, sich größer zu machen als er ist, indem er sich als Teil einer länderübergreifenden Bewegung darstellt.
Wahr ist allerdings auch, dass Breivik bei weitem nicht der einzige selbst erklärte Tempelritter ist, der vor einer "Islamisierung" Europas warnt. In einer langen Geschichte beleuchtete kürzlich die "Zeit", dass der Attentäter von Utøya Geistesverwandte hat. Genannt wird der Brite Paul Ray, ein selbsternannter Tempelritter, der auf Malta lebt und den die norwegische Polizei drei Tage lang zu seiner Verbindung zu Breivik befragte, der aber beteuert, keinen Kontakt mit ihm gehabt zu haben.
Genannt wird auch Nick Greger, ein gebürtiger Oberfranke, der im westafrikanischen Gambia lebt und der der Meinung ist, die westliche Welt werde in zehn bis fünfzehn Jahren zusammenbrechen.
Ermittler halten Breivik nach wie vor für einen Einzeltäter, aber sie dürften noch vielen Spuren nachgehen müssen. Der Attentäter nutzt jede Möglichkeit, sich selbst zu inszenieren.