Ansbach: Augenzeugen berichten vom Anschlag - DER SPIEGEL
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Augenzeugen in Ansbach "Mein erster Gedanke: Da hat ein Idiot sich einen Spaß erlaubt"

Ein lauter Knall, ein abgebrochenes Konzert, quälende Ungewissheit: In Ansbach zündete ein Attentäter in einer Menschenmenge eine Bombe. So erlebten Augenzeugen den Anschlag.
Polizeiabsperrung am Tatort
Polizeiabsperrung am Tatort

Polizeiabsperrung am Tatort

Foto: Lennart Preiss/ Getty Images
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Der schnelle Überblick

• Mohammad Daleel, 27, hat am Sonntagabend bei einem Musikfestival im fränkischen Ansbach eine Splitterbombe gezündet und sich damit selbst getötet.

• 15 Personen wurden verletzt, vier von ihnen schwer.

• Der Syrer Daleel hatte 2014 Asyl in Deutschland beantragt, der Antrag wurde abgelehnt. Er lebte mit einer Duldung in Ansbach.

• Ein Video auf Daleels Handy zeigt einen Vermummten, der Daleel sein soll. Er droht mit einem Anschlag "im Namen Allahs" und bekennt sich zum "Islamischen Staat".

• Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen Terrorverdachts an sich gezogen.

Werner Finsterer schenkte schon seit ein paar Stunden beim Musikfestival Ansbach Open Wein und Sekt aus, als er um kurz nach 22 Uhr am Sonntagabend einen dumpfen Schlag hörte. "Mein erster Gedanke war: Da hat ein Idiot sich einen Spaß erlaubt und einen großen Silvesterböller geworfen, um Panik zu erzeugen", sagt der 70-Jährige im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Sein zweiter Gedanke: "Hoffentlich ist es kein Anschlag."

Die Hoffnung erfüllte sich nicht, wie Finsterer am Montag erfuhr. Der 27-jährige Mohammad D. aus Syrien zündete am Eingang zum Festivalgelände auf der Reitbahn in Ansbachs Stadtzentrum einen Sprengsatz. Durch die Detonation starb der Mann, 15 Personen wurden verletzt. Sicherheitskräfte hatten den Attentäter nicht auf die Reitbahn gelassen, weil er keine Eintrittskarte hatte.

Diese Entscheidung hat noch mehr Opfer verhindert, da ist sich Finsterer sicher. In der Nähe der Bühne, auf der zu dem Zeitpunkt Gregor Meyle spielte, hätten sich viele der rund 2000 Zuschauer gedrängt. "Oh Gott, wenn sie den Täter reingelassen hätten und der sich nach vorn gedrängt hätte - das wäre eine Katastrophe gewesen", sagt Finsterer rückblickend.

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Bayern: Ansbach am Morgen nach dem Anschlag

Foto: Daniel Karmann/ dpa

Burkhard Baumann war als ehrenamtlicher Helfer gegen 22 Uhr auf die Reitbahn gekommen, um in einem Ausschankpavillon zu helfen. Kurz darauf "hörte ich einen lauten Knall", sagt der 68-Jährige im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Die Polizei gibt den Zeitpunkt der Explosion mit 22.10 Uhr an. "Es hat ein bisschen verbrannt gerochen wie bei einem Chinaböller", sagt Baumann. Als der Sprengsatz explodierte, war Baumann etwa 50 Meter vom Tatort entfernt, getrennt allerdings durch ein Haus. "Das hat die Druckwelle abgehalten", sagt Baumann.

Auf dem Festivalgelände machte zunächst das Wort von einer Gasexplosion die Runde. "Man hat uns erzählt, dass ein Gasheizstrahler explodiert sei", sagt Baumann. Von Sicherheitskräften und Polizisten habe es keine anderen Informationen gegeben. "Es hieß, jemand sei schwer verletzt und ein paar andere leicht."

Doch dann: Polizei, Krankenwagen, Feuerwehr, Blaulicht, "im Minutentakt", wie Baumann sagt. "Ein Polizist ist mit Maschinenpistole im Anschlag hergerannt." Eine Ordnungskraft habe dem Beamten gesagt, er solle die Waffe runternehmen. Andere Polizisten hätten schusssichere Westen getragen, ihre Waffen aber nicht gezogen. Offenbar machten zu diesem Zeitpunkt schon Gerüchte die Runde, die sich später bestätigen sollten: dass jemand mit Rucksack eine Bombe gezündet habe.

Bald danach kam die Aufforderung der Behörden, die Reitbahn zu verlassen. Werner Finsterer fand es höchst erstaunlich, dass nach der Explosion und bei der Räumung keine Panik entstand, obwohl zumindest an der Bühne die Menschen dicht gedrängt standen. Burkhard Baumann sagt: "Die Stimmung war relativ ruhig, es gab keine Hysterie, keine Panik." Als er gegen 23.30 Uhr nach Hause ging, "kamen immer noch Krankenwagen, Polizeiautos und Feuerwehrfahrzeuge".

"Das ruhige Verhalten der Zuschauer war vorbildlich"

Informationen des Polizeipräsidiums Mittelfranken decken sich mit Finsterers und Baumanns Beobachtungen. Von der Polizei hieß es auf Anfrage, man habe keine Hinweise, dass es zu einer Panik gekommen sei. Ein Anwohner aus Ansbach berichtete allerdings der Nachrichtenagentur Reuters, er habe panische Menschen gesehen.

Burkhard Baumann lobte insbesondere Sänger Meyle für die besonnene Art, das Konzert zu unterbrechen und die Besucher zu bitten, das Gelände zu verlassen. Meyle wollte sich nicht im Interview äußern, veröffentlichte aber auf Facebook eine Nachricht .

"Wir möchten für das besonnene und professionelle Verhalten des Veranstalters, der Polizei, des Security-Teams und ganz besonders des Security Mitarbeiters bedanken, der dem Attentäter den Zutritt zum Gelände verweigerte", heißt es darin. "Aber auch das ruhige Verhalten der Zuschauer war vorbildlich. (…...) Unsere Gedanken sind bei den Verletzten und deren Angehörigen."

Video - Anschlag in Ansbach: Attentäter kündigte "Racheakt" an

SPIEGEL ONLINE

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