Täter nicht gesehen Polizei verhöhnt blindes Diebstahlopfer
Blinde zu beklauen dürfte selbst unter professionellen Dieben als unsportlich gelten. Aber solche Perfidie ist durchaus steigerungsfähig, wie es ein Fall in Argentinien zeigt.
Francisco Ramírez hatte sich am Freitag wie gewohnt im nordargentinischen Corrientes zum Training mit der städtischen Blinden-Fußballmannschaft begeben. Während er kickte, wurde ihm sein Rucksack mitsamt Laptop und zwei Handys gestohlen.
Der 34-Jährige ging zur Polizei und wollte Anzeige erstatten. Doch das schien ein Problem zu sein: "Du hast nichts Auffälliges gesehen?", fragten die Beamten das Diebstahlopfer. "Nein, ich bin blind, völlig blind", antwortete Ramírez.
"Schwache Beweislage", mag sich der zuständige Beamte gedacht haben - und weigerte sich, die Anzeige aufzunehmen. Es fehle an aussagekräftigen Zeugenaussagen. Zynisch: Die Polizisten ließen Ramírez noch ein Formular ausfüllen, in dem Glauben, er bekomme seine Sachen zurück. In Wahrheit soll es sich lediglich um eine Bestätigung gehandelt haben, mit der der Polizei für ihre Arbeit gedankt werde.
Der Fall wurde öffentlich, die Empörung war riesig. Der Polizeichef von Corrientes war gezwungen, interne Ermittlungen anzuordnen.
Schon einen Tag nach dem Vorfall konnte der Rucksack des Diebstahlopfers gefunden werden - allerdings weniger durch die Ermittlungen der Polizei als durch die tatkräftige Hilfe von Freiwilligen, die außerdem erste Hinweise auf den Tatverdächtigen gaben.
Angestellte der Schule, auf deren Gelände sich der Bolzplatz für die Blinden befindet, gaben der Polizei einen wertvollen Tipp. Kurz darauf wurde ein 19-Jähriger festgenommen.