Ausgesetzte Kinder: Gericht entzieht Eltern das Sorgerecht - DER SPIEGEL
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Ausgesetzte Kinder Gericht entzieht Eltern das Sorgerecht

Prompte Reaktion der Behörden: In einer Eilentscheidung hat das Amtsgericht Lennestadt den Eltern der drei in Italien ausgesetzten Kinder das Sorgerecht entzogen. Der leibliche Vater der Kleinen sitzt derzeit im Gefängnis - er hatte ein Baby totgeschüttelt.
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Rom - Der Amtsweg war lang, aber er funktionierte: Die Deutsche Botschaft in Rom informierte das Bundeskriminalamt, das die Polizei im nordrhein-westfälischen Olpe einschaltete, die sich wiederum an das Jugendamt des Kreises wandte.

Dort beantragte man dann, Ina Caterina R., 26, aus Finnentrop, die ihre drei Kinder im Alter zwischen zehn Monaten und sechs Jahren in Italien ausgesetzt hatte, wegen ihres "verantwortungslosen Verhaltens" das Sorgerecht zu entziehen, das sie sich mit dem leiblichen Vater der Kinder teilte, wie eine Sprecherin des Landgerichts Siegen SPIEGEL ONLINE sagte.

Das Amtsgericht Lennestadt habe daraufhin am Dienstag in einer "Eilentscheidung" ohne Anhörung dem Jugendamt des Kreises Olpe das Sorgerecht für die Kinder übertragen. Am Freitag sollen sie wieder zurück ins Sauerland gebracht werden. "Wir haben grünes Licht von den italienischen Behörden. Am Donnerstag fahren zwei Mitarbeiter des Jugendamtes nach Italien", sagte ein Sprecher der zuständigen Olper Kreisverwaltung.

Zunächst hatte sich der Sozialdienst der italienischen Stadt Aosta um das vierjährige Mädchen und die beiden Jungen im Alter von zehn Monaten und sechs Jahren gekümmert.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE befindet sich der leibliche Vater der drei Kinder derzeit im Gefängnis. Das Landgericht Siegen hatte ihn am 21. Juni 2007 wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt.

Die 1. Große Strafkammer sah es als erwiesen an, dass der damals 28-Jährige im November 2006 seine sieben Wochen alte Tochter totgeschüttelt hatte. Dennoch hatte er nach Angaben des Landgerichts Siegen bis zu der jetzigen Entscheidung der Justiz weiterhin das Sorgerecht für seine übrigen drei Kinder.

"Keine Spur von den beiden"

Unterdessen sucht die italienische Polizei weiter nach Ina Caterina R. und ihrem derzeitigen Lebensgefährten Sascha S., 24. Die Ermittler kontrollierten unter anderem Grenzübergänge, Häfen, Bahnhöfe und Flughäfen, um das deutsche Paar zu finden, sagte ein Sprecher. "Aber wir haben bisher noch keine einzige Spur von den beiden."

Der aus Bad Laasphe in Nordrhein-Westfalen stammende Sascha S. ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft Siegen ein geflohener Häftling. Demnach soll er noch bis 2011 eine Haftstrafe wegen räuberischer Erpressung und anderer Delikte absitzen.

Nachdem er am 2. April von einen zweitägigen Urlaub nicht in den offenen Vollzug nach Oelde zurückgekehrt sei, sei er zur Fahndung ausgeschrieben worden. Der Mann sei ledig und kinderlos, hieß es .

Das Paar hatte am Sonntagabend in einem Restaurant am Rande von Aosta Pizza für sich und die drei Kinder bestellt und war kurz darauf verschwunden. Die Kleinen blieben alleine in dem Lokal zurück.

Geldprobleme und Selbstmordgedanken

Die Siegener Staatsanwaltschaft prüft nun ein mögliches strafbares Verhalten der 26-Jährigen und ihres Partners, wie Behördensprecher Johannes Daheim SPIEGEL ONLINE sagte.

Als Straftatbestände kämen in dem Vorprüfungsverfahren unter anderem Aussetzung oder Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht in Betracht. Es sei aber auch durchaus möglich, dass dem Paar am Ende strafrechtlich nichts nachzuweisen sei.

Die Familie aus der sauerländischen Gemeinde Finnentrop war laut italienischer Polizei einige Tage vor dem Verschwinden der Mutter und ihres Partners in Italien eingetroffen. In ihrem Auto, das die beiden vor dem Restaurant zurückließen, fanden die Ermittler auch die Ausweise der Verschwundenen. Italienischen Zeitungsberichten zufolge hatte das Paar Geldprobleme und trug sich mit Selbstmordgedanken.

Inzwischen will ein italienischer Zugbegleiter Sascha S. gesehen haben - am Dienstagnachmittag in dem von Verona nach München fahrenden Zug, wie italienische Medien am Mittwoch berichteten. Der Mann habe einen Fahrschein für Innsbruck gehabt und einen zweiten für die ihn begleitende Frau gekauft.

Die junge Begleiterin des Mannes hat der Bahnbeamte auf einem Foto jedoch nicht als Ina Caterina R. identifiziert. Die Ermittler prüften die Angaben, hieß es. Sie hielten fest, dass das Paar im Zug nach der Beschreibung anders gekleidet war als die beiden Deutschen im norditalienischen Aosta.

jdl/AFP/dpa

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