Erschossener deutscher Austauschschüler Hamburger Staatsanwälte fordern Unterlagen an
Gedenken an Diren: Der Austauschschüler wurde in den USA erschossen
Foto: Daniel Reinhardt/ dpaHamburg - Nach den tödlichen Schüssen auf den Austauschschüler Diren D. im US-Bundesstaat Montana will auch die Hamburger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren einleiten. "Wir prüfen den Sachverhalt und haben bereits die erforderlichen Unterlagen von den zuständigen amerikanischen Behörden angefordert", sagte Sprecherin Nana Frombach.
Hintergrund ist Paragraf 7 des Strafgesetzbuchs. Darin heißt es, dass das deutsche Strafrecht für Taten gilt, die im Ausland gegen einen Deutschen begangen werden. Das Hamburger Ermittlungsverfahren soll Frombach zufolge zur Aufklärung des Todesfalls beitragen - "mit den begrenzten Möglichkeiten, die wir von hier aus haben".
Der 17-jährige Diren war am Sonntag von einem 29-jährigen US-Amerikaner in dessen Garage erschossen worden. Der Schütze beruft sich auf Notwehr, weil er Angst vor dem Eindringling gehabt habe. Ein Gesetz in Montana erlaubt es Hausbesitzern, sich mit Gewalt zu verteidigen, wenn sie sich auf ihrem Grundstück bedroht fühlen ("Castle Doctrine").
"Der Einsatz von Waffen in unserem Land ist außer Kontrolle," sagt Ellie Hill, Demokratin im Repräsentantenhaus von Montana. Sie fordert eine Gesetzesänderung. "Die Castle-Doktrin fördert die Kultur, die zur jüngsten Tragödie führte."
Die US-Staatsanwaltschaft wirft dem Schützen Markus K. vorsätzliche Tötung vor. Der Mann ist gegen Kaution auf freiem Fuß. Nach Angaben seines Anwalts bekommt er Mordrohungen. Der 29-Jährige und seine Partnerin hätten hasserfüllte anonyme Anrufe und Facebook-Nachrichten erhalten, sagte der Strafverteidiger Paul Ryan. "Es ist eine sehr problematische Situation für sie. Sie verlassen ihr Haus nicht mehr. Sie machen sich Sorgen um ihr kleines Kind."
Diren hatte nach derzeitigem Ermittlungsstand gegen Mitternacht die Garage des 29-Jährigen betreten. Was er dort wollte, ist nicht ganz klar. Sein Begleiter sagte der Polizei, Diren habe Getränke gesucht. Die Ermittler in der Kleinstadt Missoula überprüften am Dienstag die Aussagen weiterer möglicher Zeugen.