Australien Verdächtige festgenommen und freigelassen
Sydney - Nach den verheerenden Buschbränden bei Melbourne sind kurzzeitig zwei mutmaßliche Brandstifter festgenommen worden. Die beiden seien nach Hinweisen aus der Bevölkerung zum Verhör gebracht worden, sagte die Polizeichefin des Bundesstaates Victoria, Christine Nixon. Der Verdacht liege nahe, dass etwa der Brand in der Ortschaft Marysville mit möglicherweise 100 Todesopfern absichtlich gelegt worden sei. Generalstaatsanwalt McLelland betonte, jeder, der einen tödlichen Brand zu verantworten habe, müsse mit einer lebenslangen Haftstrafe rechnen. Kurz darauf seien die beiden Männer wieder freigelassen worden, berichtete CNN.
Die Behörden haben bislang 181 Todesopfer bestätigt, doch fürchten sie, dass die Opferzahl auf weit über 200 steigt. Es waren die verheerendsten Brände, die Australien je erlebt hat. Insgesamt wurden 5000 Menschen obdachlos, 1200 Häuser zerstört und mehr als 450 000 Hektar Land niedergebrannt. Nach Angaben der Polizeichefin waren auch nach den verheerenden Bränden vom Wochenende wieder Brandstifter aktiv. Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren.
Die Regierung bemühte sich um die Einrichtung eines landesweiten Feuer-Alarmsystems über Telefon. Regelungen zum Datenschutz und ein Streit über die Finanzierung verzögerten solche Pläne seit Jahren, wie die Zeitung "The Australian" berichtete. Generalstaatsanwalt Robert McLelland sprach sich für automatische Kurznachrichten in von Bränden betroffenen Gebieten aus.
"Alle sind tot, alle sind tot"
Als Helden haben Australiens Abgeordnete einen Landsmann gefeiert, der inmitten der verheerenden Buschbrände im Südosten des Landes Dutzende Kinder retten half. Wie die Zeitung "Daily Telegraph" berichtete, hatte Geschäftsmann Peter Thorneycroft mit nacktem Oberkörper, in Shorts und Schlappen und nur mit einem Gartenschlauch ausgerüstet auf dem "Kinglake National Park Hotel" gegen die Glut angekämpft, während Dutzende Kinder in dem Gebäude auf Rettung warteten. Premierminister Kevin Rudd beschrieb den 43-Jährigen als einen Mann, der auch dann noch die Ruhe bewahrte, als der Himmel um ihn herum schon orangefarben geglüht habe.
Augenzeugen zufolge seien die Häuser gegenüber dem Hotel längst in die Luft geflogen, sagte Rudd, und wenn Thorneycroft sich nicht so eingesetzt hätte, dann wäre dies sicher auch mit dem Hotel passiert. "Er ist ein echter australischer Held", schwärmte Rudd. Deutlich nüchterner äußerte sich Thorneycrofts Frau Judy - sie sagte dem "Daily Telegraph", ihr Mann habe am Telefon immer wieder gerufen: "Alle sind tot, alle sind tot." Daraufhin habe sie ihm gesagt: "Halt den Mund und tu', was zu tun ist."
Feuerwehr profitiert von günstigeren Wetterbedingungen
Im Kampf gegen die verheerenden Brände sind den Feuerwehrleuten günstigere Wetterbedingungen zu Hilfe gekommen. Es habe abgekühlt, und es liege etwas Feuchtigkeit in der Luft, außerdem sei der Wind schwächer, berichtete ein Sprecher des Umweltministeriums am Donnerstag. Das helfe der Feuerwehr beim Kampf gegen die Flammen. Auch in den kommenden Tagen würden vergleichsweise günstige Wetterverhältnisse erwartet, sagte er der australischen Nachrichtenagentur AAP. Damit könne jetzt "gute Arbeit" geleistet werden.
Dennoch wüteten nach Behördenangaben 21 Brände in der Region weiter. Die Polizei rechnete mit dem Fund weiterer Opfer in ausgebrannten Häusern. "Wir gehen auf der Suche nach Leichen von Haus zu Haus und von Straße zu Straße", sagte Christine Nixon von der Polizei Victoria: "Wir haben Grund davon auszugehen, dass noch mehr Menschen durch diese Brände umgekommen sind."
Der Premierminister des betroffenen Bundesstaates Victoria hat Fehler eingeräumt. Viele Menschen seien nicht früh genug vor der herannahenden Feuerwalze gewarnt worden, weil die Telefone überlastet waren, sagte John Brumby.
Brumby verteidigte die Absperrung der Ortschaft Marysville, wo vermutlich 100 der 500 Einwohner ums Leben kamen. Forensiker seien noch dabei, in Autos und Häusern nach Leichen zu suchen. "Wenn die Menschen dorthin zurückkehrten und in den Häusern Leichen fänden, wäre das ein schreckliches Trauma", sagte Brumby.
Die Polizei will noch im Laufe der Woche Fahndungsbilder von weiteren mutmaßlichen Brandstiftern veröffentlichen. Sie geht davon aus, dass eine Reihe der Brände absichtlich gelegt worden waren.