Baby-Tod von Neustrelitz: Vater erfuhr per SMS von der Geburt - DER SPIEGEL
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Baby-Tod von Neustrelitz Vater erfuhr per SMS von der Geburt

In Neubrandenburg hat der Prozess gegen die junge Mutter begonnen, deren Kind tot in der Gefriertruhe gefunden wurde. Der Vater soll per Kurzmitteilung von der Geburt erfahren und sich nicht weiter gekümmert haben.
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Neubrandenburg – Die Mutter auf aus Neustrelitz bestritt heute die Schuld am Tod ihres Kindes. Sie habe bei der heimlichen Geburt das Bewusstsein verloren, sagte die 21-jährige Angeklagte zum Prozessauftakt aus. Als sie erwacht sei, habe das Neugeborene nicht mehr geatmet. Ein Sachverständiger erklärte vor Gericht hingegen, das Baby sei lebensfähig gewesen. Die Verteidigung kündigte an, einen weiteren Experten hinzuziehen zu wollen.

Die junge Frau aus Neustrelitz muss sich vor dem Landgericht Neubrandenburg wegen Totschlags verantworten. Sie soll ihre Tochter im Februar dieses Jahres direkt nach der Geburt mit einem Kissen erstickt und dann in einer Kühltruhe in ihrer Wohnung versteckt haben. Dort wurde die in Tücher und eine Plastikfolie gewickelte Babyleiche von der Schwester der Kindsmutter im Juni zufällig entdeckt.

Bei den polizeilichen Vernehmungen hatte die 21-Jährige zunächst behauptet, das Baby sei tot zur Welt gekommen. Als die Obduktion ergab, dass das Neugeborene nach der Geburt noch gelebt hatte, legte die junge Mutter ein Geständnis ab. Darin gab sie an, dem Kind gleich nach der Geburt eine Decke auf das Gesicht gedrückt zu haben, bis es keine Lebenszeichen mehr von sich gegeben habe. Als Motiv nannte sie Angst vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes als Altenpflegerin. Vor Prozessbeginn hatte sie dieses Geständnis jedoch widerrufen.

Der Vater fragte nicht nach

Vor Gericht betonte die Angeklagte nun, sie habe das Neugeborene zur Adoption freigeben wollen. Ihre Schwangerschaft habe sie einer Freundin und dem Kindsvater anvertraut. Neben diesen beiden wurden nach Angaben einer Gerichtssprecherin drei weitere Zeugen befragt. Sie konnten jedoch alle nicht unmittelbar zu der Tat aussagen, da die junge Frau bei der Geburt alleine war.

Der Vater des Kindes sagte aus, per Kurzmitteilung auf dem Handy von der Geburt erfahren zu haben. Er habe eine hübsche und gesunde Tochter erhalten, soll es darin geheißen haben. Laut Gerichtssprecherin wurde diese SMS jedoch erst geschrieben, als das Baby bereits tot in der Gefriertruhe lag. Beim nächsten persönlichen Treffen habe die Mutter angegeben, das Kind zur Adoption freigeben zu wollen. Der Vater habe nicht weiter nachgefragt.

Auch ein erster Sachverständiger legte sein Gutachten vor. Demnach wies das Kind keine Anzeichen von Gewalt auf, war lebensfähig und hat mehrere Minuten lang geatmet. Die Verteidigung kündigte an, einen Beweisantrag stellen zu wollen, um einen auf Neugeborene spezialisierten Mediziner als weiteren Sachverständigen hinzuziehen.

Der nächste Verhandlungstermin ist für Mittwoch angesetzt. Das Gericht konnte am Montag noch nicht sagen, ob dann schon mit einem Urteil zu rechnen sei. Der Frau droht demnach eine Freiheitsstrafe zwischen fünf und 15 Jahren.

itz/AP