Babyleichen in Hamburger Schließfach - Verdacht auf Totschlag - DER SPIEGEL
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Babyleichen in Hamburg Mutter stand schon 2011 wegen Totschlags unter Verdacht

Zwei Babyleichen fand die Polizei in einem Hamburger Bahnhofsschließfach, nun ist klar: Die mutmaßliche Mutter hatte schon 2011 einen toten Säugling versteckt. Eine Strafe droht ihr wohl trotzdem nicht.
Schließfach 1344 im Hamburger Hauptbahnhof: Leichen im Koffer
Schließfach 1344 im Hamburger Hauptbahnhof: Leichen im Koffer

Schließfach 1344 im Hamburger Hauptbahnhof: Leichen im Koffer

Foto: Daniel Bockwoldt/ dpa
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Hamburg/Lübeck - Viel ist über die Tatverdächtige bislang nicht bekannt, und genau das ist offenbar auch das Problem der Polizei: Die Frau, die mutmaßlich zwei tote Säuglinge in einem Bahnhofsschließfach verstaut hat, ist für die Ermittler ein Rätsel. Seit Donnerstag wird die 39-Jährige in der geschlossenen Psychiatrie behandelt - und es geht ihr laut einem Sprecher der Hamburger Staatsanwaltschaft so schlecht, dass sie nicht befragt werden kann.

Der Fund der Babyleichen hatte am Donnerstag für Entsetzen gesorgt: Aus Schließfach 1344 des Hamburger Hauptbahnhofs hatten Ermittler am Vormittag einen Koffer gezogen, in dem sie ein in Plastik gewickeltes Paket fanden. Leichenspürhunde schlugen an, ein bestialischer Gestank schlug den Beamten entgegen. Erst in der Lübecker Gerichtsmedizin entdeckten die Pathologen dann, dass sich gleich zwei tote Neugeborene in dem Paket befunden hatten.

Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich um Geschwister handelt - und dass die tatverdächtige Frau die Mutter ist. Eines der beiden Kinder ist ein Junge, das Geschlecht des anderen Kindes ist auch nach der Obduktion nicht bekannt: Die Verwesung der Leiche sei so weit fortgeschritten, dass man sie kaum noch untersuchen könne, sagte Ralf-Peter Anders, der Sprecher der Lübecker Staatsanwaltschaft, zu SPIEGEL ONLINE. "Daraus schließe ich, dass die Kinder nicht zum selben Zeitpunkt zur Welt kamen."

Gegen die Mutter werde nun wegen des Verdachts auf Totschlag ermittelt, und das nicht zum ersten Mal: Die Frau stand schon einmal wegen Totschlags unter Verdacht. 2011 habe sie ein Kind zur Welt gebracht, das später tot auf einem Friedhof gefunden wurde, sagte Anders. Das Kind, von der Polizei "Stella" genannt, war demnach jedoch schon stark verwest - so stark, dass keine Todesursache mehr ermittelt werden konnte. Die Frau sagte damals aus, das Kind sei leblos zur Welt gekommen, ihre Aussage konnte nicht widerlegt werden.

Obduktion brachte offenbar kaum Ergebnisse

Das gleiche Problem hätten Gerichtsmediziner auch bei der Obduktion der beiden jetzt entdeckten Babyleichen gehabt, sagte Anders zu SPIEGEL ONLINE. Eine Todesursache könne nicht mehr ermittelt werden. Der 39-Jährigen aus Bad Schwartau droht also wohl keine Strafe wegen Totschlags. Unklar ist zudem, ob die Frau überhaupt schuldfähig wäre.

Die mutmaßliche Mutter aller drei toten Babys ist verheiratet und hat drei lebende Kinder. Bis vor Kurzem galt die 39-Jährige als völlig unverdächtig, erst ein Zufall führte die Polizei zu ihr. Durch eine "Aktenzeichen XY"-Sendung war sie auf die Frau aufmerksam geworden: Ermittler hatten dort von einem ähnlichen Fall aus dem niedersächsischen Cloppenburg berichtet und um Hinweise auf Frauen gebeten, die nach einer offenkundigen Schwangerschaft nicht mit ihren Neugeborenen zu sehen waren. Ein Anruf führte die Polizei daraufhin zu der Frau aus Bad Schwartau. Sie hatte mit dem Cloppenburger Fall zwar nichts zu tun, machte sich mit widersprüchlichen Aussagen aber verdächtig.

Als die mehrfache Mutter sich schließlich einer gynäkologischen Untersuchung entzog, in der der Verdacht einer vor Kurzem geendeten Schwangerschaft geprüft werden sollte, suchte die Polizei nach ihr - und konnte sie Anders zufolge schließlich dank einer Handyortung in der Hamburger Innenstadt fassen. Die Frau befinde sich weiterhin in einer Klinik und sei in "sehr schlechter Verfassung", sagte Anders. Es bestehe weiterhin die Gefahr, dass sie sich das Leben nehmen wolle. Schon am Donnerstag hatte er gesagt: "Das ist keine gemeingefährliche Person."

Mit Material von dpa

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