Basel: Psychiatriepatienten jahrzehntelang für Medikamententests benutzt - DER SPIEGEL
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Basler Klinik Patienten jahrzehntelang für Medikamententests benutzt

Über 1000 Betroffene, darunter mehr Frauen als Männer: Am Pharmastandort Basel mussten einer Studie zufolge Patienten in der Nachkriegszeit als Versuchskaninchen herhalten. Einige der Stoffe wurden nie zugelassen.
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Foto: Georgios Kefalas/ dpa
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An der Psychiatrischen Klinik in Basel sind in der Nachkriegszeit offenbar regelmäßig nicht-zugelassene Medikamente ohne Wissen der Patienten getestet worden. Es sollen insgesamt deutlich mehr als 1000 Patienten betroffen sein, heißt es in einer nun veröffentlichten Studie der Universität Bern .

Im Auftrag der Klinik hatten die Wissenschaftler 330 Krankenakten und andere Dokumente untersucht. Knapp zehn Prozent aller Patienten der Klinik mit einer Schizophrenie-Diagnose oder anderen affektiven Störungen waren involviert. Darunter befanden sich auch zwangsweise untergebrachte Personen an der damaligen Psychiatrischen Universitätsklinik Basel.

Zu möglichen Folgeschäden der Patienten wurde zunächst nicht geforscht. Die Klinik verweist darauf , dass die rechtliche Lage zu Medikamententests damals viele Graubereiche gehabt habe. Basel ist das Pharmaziezentrum der Schweiz. Die Firmen Novartis und Roche haben dort ihren Stammsitz.

Wegen einer fehlenden Dokumentation ist laut Studie nicht nachvollziehbar, wie viele der Betroffenen wussten, welche Medikamente sie tatsächlich erhielten. Allerdings "dürfte es zu einer engen Kooperation mit der pharmazeutischen Industrie gekommen sein", so die Autoren. Wegen eines schlechten Quellenzugangs konnte die Zusammenarbeit nicht im Detail beleuchtet werden.

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Der Studie zufolge wurden Frauen für die Tests von 60 Substanzen in der Psychiatrischen Klinik deutlich stärker herangezogen als Männer. Hinweise auf Versuche an Kindern gebe es nicht. "Bei den geprüften Präparaten handelte es sich sowohl um Wirkstoffe, die später auf den Markt gelangten, als auch um Stoffe, die - etwa aufgrund der aufgetretenen Nebenwirkungen - nie zur Zulassung kamen", heißt es.

Erst 2016 hatte eine Reihe von Medikamententests an Heimkindern in Deutschland für Schlagzeilen gesorgt. Die Pharmazeutin Sylvia Wagner berichtete etwa von zumindest ethisch fragwürdigen Versuchen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.

apr/dpa