Berlin: Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen der Stadt zu mehr Vorsicht - DER SPIEGEL
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Angst vor Gewalt Polizeipräsidentin rät Juden und Homosexuellen in Teilen Berlins zu mehr Vorsicht

»So ehrlich müssen wir sein«: Berlins Polizeipräsidentin Slowik warnt vor Stadtteilen, in denen Juden, Schwule und Lesben offene Anfeindungen erleben. Als Täter will sie aber keine Gruppe »diffamieren«.
Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik
Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik

Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik

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Christoph Soeder / dpa

Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik hat Juden und Homosexuellen geraten, in bestimmten Gegenden der Hauptstadt besonders vorsichtig zu sein.

Grundsätzlich gebe es zwar keine sogenannten No-go-Areas, also Gebiete, die zu gefährlich zum Betreten seien. »Es gibt allerdings Bereiche – und so ehrlich müssen wir an dieser Stelle sein –, da würde ich Menschen, die Kippa tragen oder offen schwul oder lesbisch sind, raten, aufmerksamer zu sein«, sagte Slowik der »Berliner Zeitung« .

»Angst und Sorge bleiben«

Sie wolle dabei keine bestimmte Gruppe von Menschen als Täter »diffamieren«, sagte Slowik: »Leider gibt es bestimmte Quartiere, in denen mehrheitlich arabischstämmige Menschen wohnen, die auch Sympathien für Terrorgruppen hegen. Offene Judenfeindlichkeit artikuliert sich dort gegen Menschen jüdischer Glaubensrichtung und Herkunft.«

Slowik weiter: »Die Gewaltdelikte gegen jüdische Menschen fallen glücklicherweise gering aus, wobei ohne Frage jede Tat eine zu viel ist. Dass Angst und Sorge bleiben, kann ich dennoch verstehen.« Menschen aus der jüdisch-israelischen Community in Berlin würden die Gesamtzahl antisemitischer Straftaten wahrnehmen. Seit dem 7. Oktober 2023, dem Tag des Hamas-Überfalls auf Israel, habe die Polizei mehr als 6200 Ermittlungen zum Thema Antisemitismus und Volksverhetzung eingeleitet. Das steigere verständlicherweise die Furcht innerhalb der Community, Ziel einer Attacke zu werden.

Ein großer Teil der Ermittlungen befasse sich mit Hasspostings im Internet, außerdem Sachbeschädigungen und Propagandadelikten. Bei 1300 Ermittlungen wegen Gewalttaten gehe es meist um Angriffe oder Widerstand gegen Polizisten bei Demonstrationen.

4782 antisemitische Vorfälle hatte der Bundesverband Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias) in ganz Deutschland für das Jahr 2023 registriert . Die Zahl erreichte damit bundesweit einen neuen Höchststand – verglichen mit den beiden Jahren davor hat sie sich fast verdoppelt.

ptz/dpa