Berlin Wutzkyallee: Fehler und Behördenversagen bei Jugendclub – Kommission erkennt keine Vertuschung - DER SPIEGEL
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Wutzkyallee in Neukölln Kommission erkennt keine Vertuschung nach mutmaßlicher Vergewaltigung in Berliner Jugendclub

Eine 16-Jährige soll in einem Jugendclub in der Berliner Gropiusstadt vergewaltigt worden sein. Anschließend gab es Fehler und Behördenversagen, hat eine Untersuchungskommission festgestellt – aber keine Verschleierung.
Jugendzentrum Wutzkyallee in Neukölln
Jugendzentrum Wutzkyallee in Neukölln

Jugendzentrum Wutzkyallee in Neukölln

Foto: Jens Kalaene / dpa / picture alliance

Im Fall der Vergewaltigungsvorwürfe in einem Berliner Jugendzentrum hat eine Untersuchungskommission zahlreiche Fehler von Sozialarbeitern sowie Behördenversagen festgestellt. Eine bewusste Vertuschung mutmaßlicher sexueller Übergriffe habe man aber nicht erkennen können, hieß es in dem Bericht der unabhängigen Kommission, die im Auftrag des Bezirks Neukölln arbeitete. Die betroffene Jugendliche fühle sich unterstützt, »aber insgesamt geht es ihr nicht gut«.

Das Jugendamt hätte bei ersten Hinweisen auf Probleme eine eigene Einschätzung vornehmen und ein eigenes Schutzkonzept für Mädchen entwickeln müssen und dies nicht dem Jugendzentrum überlassen dürfen, hieß es. Auch ein Video und Erpressungen von Mädchen durch männliche Jugendliche sowie die von der Jugendlichen gewünschte Strafanzeige hätte das Jugendamt einbeziehen müssen.

Die zuständige Jugendstadträtin Sarah Nagel (Linke) sagte, es seien fachliche Fehler gemacht worden, »auf allen Ebenen«. An die Adresse der Jugendlichen fügte sie hinzu: »Ihr seid nicht ausreichend geschützt und gehört worden. Das hätte nicht passieren dürfen.« Sie betonte noch einmal, dass »dieser Vorwurf der Vertuschung schlicht nicht zutrifft«. Ob es im Jugendamt personelle Konsequenzen geben werde, ließ sie offen. »Das wird sich noch zeigen«, so Nagel.

Kommissionsmitglied Kerstin Stappenbeck, die Abteilungsleiterin Jugend und Kinderschutz bei der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie ist, sagte: »Wir haben, und das wurde in der Presse ja am Anfang so dargestellt, durch die Anhörung und auch durch die gesamten Unterlagen, die wir uns angeschaut haben, keine Anhaltspunkte gefunden, dass es hier eine bewusste Vertuschung gab vom öffentlichen Träger. Also sowohl von der Wutzkyallee oder auch vom Jugendamt.«

In dem Jugendclub im Stadtteil Gropiusstadt soll eine 16-Jährige von Jugendlichen Ende 2025 vergewaltigt und später bedrängt worden sein. Die Polizei erfuhr davon erst durch die Anzeige des Vaters im Februar 2026. Weder das Jugendzentrum noch später das zuständige Jugendamt des Bezirks erstattete Anzeige. Inzwischen ermitteln das Landeskriminalamt (LKA) und die Staatsanwaltschaft Berlin. Das Jugendzentrum ist seit dem 13. März geschlossen.

Es bestand der Verdacht, dass der Vorfall nicht gemeldet wurde, um die muslimischen mutmaßlichen Täter nicht zu stigmatisieren. Für diesen Vorwurf gebe es keine konkreten Anhaltspunkte, stellte die Untersuchungskommission fest.

Die Akte Wutzkyallee: Ein Mädchen soll in einem Berliner Jugendclub vergewaltigt worden sein. Doch die Mitarbeiter und das Jugendamt erstatten keine Anzeige. Wegen des Migrationshintergrunds des mutmaßlichen Täters oder weil alle nur das Opfer schützen wollten? Mehr zu dem Fall lesen Sie hier .

esk/flk/dpa