Beslan: Putin ordnet neue Untersuchung an - DER SPIEGEL
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Beslan Putin ordnet neue Untersuchung an

Nach seinen Gesprächen mit Hinterbliebenen des Geiseldramas hat Russlands Präsident Putin eine neue Untersuchung angeordnet. Das Komitee der Mütter von Beslan wirft der Regierung schweres Versagen beim Sturm auf die Schule in Nordossetien vor, in der 331 Menschen den Tod fanden.
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Moskau/Beslan - Der russische Präsident Wladimir Putin hat heute eine Untersuchung der Vorwürfe angeordnet, die Hinterbliebene des Geiseln von Beslan gegen die Behörden erhoben haben. Wie die Moskauer Nachrichtenagentur Interfax berichtet, sagte Putin während einer Sitzung des russischen Sicherheitsrats, dass die Ergebnisse dieser Ermittlungen in die Arbeit der Einsatzkräfte einfließen sollen.

"Ich stimme all jenen zu, die glauben, dass der Staat nicht in der Lage ist, all seinen Bürgern das notwendige Maß an Sicherheit zu gewähren", sagte Putin in einem vom staatlichen Fernsehen ausgestrahlten Kommentar. Dies sei allerdings "keine Entschuldigung für die unsachgemäße Pflichtausübung auf Seiten von Staatsbeamten".

Putin war gestern mit Angehörigen der Opfer zusammengetroffen. Das Komitee der Mütter von Beslan hat den Behörden eine Mitschuld an dem Blutbad vorgeworfen. Bei dem Überfall der Schule von Beslan durch tschetschenische Extremisten und der späteren Erstürmung kamen vor einem Jahr 331 Menschen ums Leben, davon über die Hälfte Kinder. Die Rebellen hatten ihre Geiseln mit größter Brutalität behandelt. Trotz großer Hitze gaben sie ihnen kein Wasser. Jede Regung, jede Bemerkung, jedes Weinen der verängstigten Kinder hatte Todesdrohungen und Beschimpfungen zur Folge. Mehrere Geiseln wurden gezielt erschossen.

Trauerfeier: "Heute müssen wir einfach still sein"

In großer Trauer und Stille begingen die Bewohner von Beslan heute den Jahrestag des Geiseldramas. "Heute ist ein Tag der Trauer", sagte Viktor Jesijew, dessen 37-jähriger Sohn Elbrus vor einem Jahr getötet wurde. "Heute können wir nicht über Politik reden. Heute müssen wir einfach still sein. Die ganze Welt trauert heute mit uns und wir danken ihr dafür." Schweigend betraten die Menschen die Räume der Schule, in der tschetschenische Rebellen Hunderte Schüler sowie deren Freunde und Eltern in ihre Gewalt gebracht und tagelang festgehalten hatten. Noch immer wirft die Mehrzahl der Hinterbliebenen der russischen Regierung vor, den Überfall nicht verhindert und die Zahl der Opfer durch unprofessionelles Vorgehen der Sicherheitskräfte vergrößert zu haben.

Die Wände der ehemaligen Schule Nummer 1 waren mit Fotos der Toten behängt - Fotos fröhlicher Kinder. Davor standen Mütter und Väter, Geschwister, Großeltern und viele andere Verwandte, die ihren Tränen freien Lauf ließen. Aus roten Nelken war ein breiter Teppich in der Mitte der Sporthalle ausgelegt, in der die Geiseln damals zusammengepfercht wurden. "Das ist der Weg, auf dem die Terroristen hin und hergelaufen sind", sagte Swetlana Psogojewa, die ihre Enkelin verloren hat. "Wir haben ihn mit Blumen bedeckt, damit ihn niemand betreten kann. Unsere Kinder werden uns vom Himmel aus zusehen und ich bin sicher, es würde sie ängstigen, wenn jemand hier entlang ginge."

Mit einer Schweigeminute und einem traditionellen Totenschmaus endeten die dreitägigen Trauerfeiern. Um 13.05 Uhr Ortszeit (11.05 Uhr MESZ) läutete eine Glocke, um so den Zeitpunkt der ersten schweren Explosion in der Schule zu kennzeichnen, mit der die Erstürmung der Schule begann. Kinder ließen 331 weiße Luftballons aufsteigen - zur Erinnerung an jedes der Todesopfer. Erstmals nach einmonatiger Trockenheit setzte leichter Regen ein. Auch in Moskau war die Bevölkerung zu der Schweigeminute aufgerufen. Die Fahnen in der russischen Hauptstadt wehten auf Halbmast.