Betrug beim Online-Poker: Full Mouse - DER SPIEGEL
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Betrug beim Online-Poker Full Mouse

Es soll um Hunderttausende Euro gehen, Spionage-Software und Online-Poker: Zwei Profispieler behaupten, Opfer eines Betrügers geworden zu sein. Der 24-Jährige soll ihre Computer mit einem Trojaner verseucht und so Einblick in die Karten bekommen haben.
Spielkarten und Pokerchips: Hohe Gewinne im Internet möglich
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Foto: Steve Marcus / REUTERS
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Der Beschuldigte soll dort sein Unwesen getrieben haben, wo es das meiste Geld zu gewinnen gibt: In den sogenannten "High Stakes"-Runden im Internet, bei denen Pokerspieler Zehntausende Euro einsetzen und Hunderttausende gewinnen können, wenn sie nur die richtigen Karten auf der Hand haben.

Der Deutsche Maximilian A., 24, spielte häufig an diesen virtuellen Tischen und gewann auch häufig. Sogar verdächtig häufig, fanden seine Kontrahenten, die gleichzeitig seine guten Bekannten waren. Zumindest dachten sie das.

In der vergangenen Woche, während der Poker-EM im österreichischen Baden, stellten zwei von ihnen Maximilian A. in dessen Hotelzimmer. Ein 21-jähriger Schweizer und ein 24-jähriger Österreicher konfrontierten ihn mit den Betrugsvorwürfen: A. habe einen Trojaner auf ihrem Rechner installiert, behaupteten sie, so habe er bei späteren Pokerpartien ihre Karten sehen und das Spiel manipulieren können.

Die drei jungen Männer kennen sich persönlich, es gibt nicht viele, die auf diesem Niveau spielen. Man trifft sich auf Turnieren, geht zusammen feiern. In der Regel wissen die professionellen Spieler auch online, mit wem sie es zu tun haben und gegen wen sie bei einem Spiel ein paar Tausend Euro riskieren.

Der Schweizer und der Österreicher sollen Maximilian A. nicht aus dem Hotelzimmer gelassen haben. Sie befragten ihn wohl so lange, bis er den Betrug schließlich zugab. Sie nahmen das Geständnis mit einem Handy auf und marschierten gemeinsam mit dem Beschuldigten zur Stadtpolizei Baden, morgens um 6 Uhr.

Mal gewinnt man, mal verliert man

Während einer Geburtstagsparty habe A. die Spionage-Software mit einem USB-Stick auf den Rechner gepflanzt, behaupteten die Geschädigten bei der Polizei. Der Schweizer will deshalb in den vergangenen Wochen 350.000 Dollar gegen A. verloren haben, der Österreicher immerhin 40.000 Dollar. Die Männer zeigten den Deutschen wegen Betrugs an.

Doch Maximilian A. widerrief bei der Polizei seine Aussage aus dem Hotel. Er sei zum Geständnis gezwungen worden, gab er zu Protokoll. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun auch gegen den Schweizer und den Österreicher: wegen des Verdachts der Nötigung und des Freiheitsentzugs. Gewalt oder Androhung von Gewalt soll es nicht gegeben haben, sagt Polizeisprecher Walter Santin.

Den Ermittlern zufolge bestreitet Maximilian A. die Betrugsvorwürfe. Mal gewinnt man, mal verliert man - das habe er sinngemäß in Bezug auf die Anschuldigungen gesagt.

Wer aber das Pokern als Glücksspiel bezeichnet, macht sich bei den Profis schnell unbeliebt. Sie betreiben das Spiel wie eine Wissenschaft, in der auf lange Sicht die Strategie entscheidet und nicht der Zufall. So wird auch in kürzeren Abschnitten von einem berechenbaren Verhältnis aus Siegen und Niederlagen gesprochen: Es kommt vor, dass der bessere Spieler mit den besseren Karten auch mal verliert. Maximilian A. habe aber so oft bei den sogenannten "High Stakes"-Runden gewonnen - also gegen Könner mit besonders hohem Einsatz - dass das selbst unter Berücksichtigung aller Wahrscheinlichkeiten sehr unwahrscheinlich erscheint. So lautet im Grunde der Vorwurf.

Computerspezialisten müssen ran

In der Pokerszene gab es schon länger Gerüchte, dass ein Betrug auf höchstem Niveau im Gange sei. Der österreichische "Kurier" schreibt von mehr als 20 Betroffenen und einem möglichen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe. Bei der Stadtpolizei Baden haben sich zwar bisher keine weiteren Betroffenen gemeldet, aber das muss nichts heißen: Die Opfer könnten überall auf der Welt vor einem Rechner sitzen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE erwägt mindestens ein weiterer Pokerspieler eine Anzeige.

Der Beschuldigte war in der Poker-Szene kein Unbekannter. Er tauchte häufiger bei großen Turnieren auf, lud andere Spieler zum Essen ein, ging mit ihnen feiern. "Obwohl man ihn eigentlich gar nicht kannte", sagt einer, der dabei war. Es sei offensichtlich gewesen, das A. Kontakt gesucht habe. Und so geht es nicht nur um verlorenes Geld, sondern auch um verlorenes Vertrauen.

A. war anscheinend dick im Geschäft. Er spielte "8-Game", eine Spezialform, die als höchste Kunst des Pokerns gilt. Auf Facebook ist er mit zahlreichen bekannten Spielern befreundet. "Er ist immer gut dabei gewesen, spielte die höchsten Limits", sagt ein Pokerspieler. "In diesen Kreisen würde man Betrug am allerwenigsten erwarten."

Professionelle Online-Pokerspieler schützen ihre Rechner so gut es geht vor schädlicher Software, der PC ist schließlich ihr Arbeitswerkzeug. Doch gegen einen Angriff aus den eigenen Reihen waren sie, wenn die Vorwürfe zutreffen, schutzlos. Ob Maximilian A. wirklich betrogen hat, müssen nun die Ermittler klären - und das wird schwierig. "Für uns ist das ein einmaliger Fall", sagt Polizeisprecher Santin. Für derartige Ermittlungen sei man gar nicht gewappnet.

Die Computer der Betroffenen werden nun von Spezialisten des Landeskriminalamts untersucht.

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