Beute bleibt verschwunden Pokerräuber zu Haftstrafen verurteilt
Beute bleibt verschwunden: Pokerräuber zu Haftstrafen verurteilt
Foto: DDPHamburg - Vedat S., Ahmat El-A., Mustafa U. und Jihad C. waren der Polizei schon vor dem großen Coup bekannt. Sie waren aufgefallen wegen Körperverletzung, Diebstahl, Drogendelikten. Der spektakuläre Überfall auf Deutschlands größtes Pokerturnier in Berlin machte die fünf Jungkriminellen aus Neukölln und Kreuzberg bundesweit bekannt. Die Jugendstrafkammer des Berliner Landgerichts verurteilte die jungen Männer nach nur zweiwöchiger Verhandlung nun zu Haftstrafen.
Die neunte Strafkammer verurteilte Vedat S., den 21-jährigen Kronzeugen, wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung zu drei Jahren und neun Monaten Gefängnis, seine drei 19- und 20-jährigen Mittäter zu Jugendstrafen von je drei Jahren und sechs Monaten. Die Männer türkischer und arabischer Herkunft hatten die Tat vor Gericht gestanden.
Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer am Montag für die jungen Männer aus Einwandererfamilien Haftstrafen zwischen vier und fünf Jahren gefordert. Die Verteidigung verlangte für drei der vier Angeklagten, die Haft zur Bewährung auszusetzen. Lediglich der Rechtsanwalt eines einschlägig vorbestraften 20-Jährigen sprach sich für eine Haftstrafe von einem Jahr für seinen Mandanten aus.
Der Pokerüberfall sorgte im Nachhinein für Erstaunen: Die Täter waren mehr als dilettantisch ans Werk gegangen. Im Prozess hatten die jungen Männer übereinstimmend erklärt, erst kurz vor der Tat am 6. März durch Ibrahim "Ibo" El-M., den Onkel eines Angeklagten, mit dem Überfall im Luxushotel Grand Hyatt am Potsdamer Platz beauftragt worden zu sein.
Der zwei Wochen nach der Tat Festgenommene soll einer der beiden Drahtzieher des Überfalls sein. Auch der zweite mutmaßliche Drahtzieher sitzt seit Ende Mai in Untersuchungshaft. Der 31-Jährige, der selbst am Pokerturnier teilgenommen hatte, soll per Handy das Startzeichen zum Losschlagen gegeben haben. Der Prozess gegen die beiden mutmaßlichen Drahtzieher beginnt am 19. August.
Kurz vor der Tat hatten sich die Jungkriminellen stundenlang so auffällig verhalten, dass sich Zeugen nicht nur an sie, sondern auch an ihren Fluchtwagen erinnern konnten. Sie waren mit Sturmhauben und Handschuhen in die Halle gestürmt, hatten mit einer Machete und Schreckschusswaffen herumgefuchtelt, 241.930 Euro aus dem Tresor geraubt und waren davongerannt. Drei Wachleute wurden bei dem Überfall leicht verletzt.
In ihren Schlussworten hatten alle Angeklagten betont, dass sie den Überfall bereuten. Zum Verbleib der Beute schwiegen sie jedoch beharrlich. Der Großteil des Geldes ist daher bis heute verschwunden.