Eklat bei Prozess in Oslo Bruder eines Opfers wirft Schuh auf Breivik
Breivik vor Gericht (Archiv): Zum ersten Mal verliert ein Zuhörer die Beherrschung
Foto: POOL/ REUTERSHamburg - Beim Prozess gegen den norwegischen Attentäter Anders Breivik hat es zum ersten Mal Tumulte gegeben. Ein Zuhörer aus der zweiten Reihe warf einen Schuh auf den Angeklagten, traf aber dessen Verteidigerin Vibeke Hein Baera.
"Fahr zur Hölle", rief der Mann auf Englisch zu Breivik, "du Mörder!" Sicherheitsbeamte packten den Mann und führten ihn aus dem Gerichtssaal. Der Prozess wurde kurz unterbrochen. Bei den anderen Zuhörern löste die Aktion unterschiedliche Reaktionen aus: Manche applaudierten, machen weinten - so schilderte der Journalist Bjoern Lindahl das Geschehen.
Offenbar handelt es sich bei dem Schuhwerfer um den Bruder eines Mannes oder Jugendlichen, der auf der Insel Utøya gestorben war. "Glücklicherweise war es nur ein Schuh", sagte Anwältin Hein Baera. "Wenn jemand etwas auf mich werfen will, dann soll er das tun, während ich rein- oder rausgehe - und nicht auf meine Anwältin", sagte Breivik nach der Wiederaufnahme der Verhandlung.
Der Prozess gegen Breivik stellt für die Angehörigen der Opfer eine immense Belastung dar. Trotz der sehr detaillierten Schilderungen der grausamen Taten und der Weigerung Breiviks, sich zu entschuldigen, hatten sich die Angehörigen bisher gesittet im Gerichtssaal verhalten.
Breivik hatte am 22. Juli 2011 im Osloer Regierungsviertel mit einer Autobombe acht Menschen getötet, bevor er in einem Jugendlager der regierenden Arbeiterpartei auf Utøya 69 Menschen tötete. Der 33-Jährige ist geständig, plädierte aber auf nicht schuldig. Seinen Angaben zufolge waren die blutigen Anschläge "grausam, aber notwendig", um Norwegen vor einer angeblich drohenden "muslimischen Invasion" zu retten.