Der Fall Dominik Brunner: Gewaltexzess am Bahnsteig
Brunner-Prozess "Sie haben nichts gemacht"
München - Bei der tödlichen Attacke hat nach Aussage des Zeugen niemand Dominik Brunner geholfen. Er habe am Münchner S-Bahnhof Solln Passanten angeschrien, dass sie helfen sollten, berichtete der 16-jährige Marcel L. am Donnerstag vor dem Landgericht München I. "Sie haben nichts gemacht, nur gesagt, dass sie aufhören sollen", beschrieb der Schüler die Reaktion der Umstehenden.
Der 16-Jährige gehörte zu den vier Schülern, die Brunner vor den beiden Angeklagten - Sebastian L. und Markus S. - schützen wollte. Die beiden müssen sich wegen Mordes vor einer Jugendkammer verantworten.
Auch zehn Monate nach dem schrecklichen Vorfall nimmt das Geschehen den 16-jährigen Marcel L. noch sichtlich mit. Immer wieder hat er Tränen in den Augen, die Stimme versagt ihm. Richter Reinhold Baier unterbricht die Vernehmung. "Sie sind schon wieder an einem Punkt, wo Sie zittern, mit den Tränen kämpfen", sagt Baier später noch einmal fürsorglich. Doch Marcel L. will keine weitere Pause. "Es geht schon", sagt er.
Andere Passanten seien wortlos einfach weitergegangen, sagte der Schüler. Auch der S-Bahn-Fahrer habe nicht auf die Schlägerei reagiert. "Er hat alles gesehen, aber er ist einfach weitergefahren", sagte der 16-Jährige mit Tränen in den Augen und stockender Stimme. "Wenn der vielleicht was gemacht hätte, wäre es vielleicht anders gelaufen."
Er und seine Freunde seien am S-Bahnhof Donnersberger Brücke von den Angeklagten und einem weiteren Jugendlichen bedroht worden, schildert er den Beginn der Streiterei. Sie hätten Geld verlangt und ihn und seinen Freund Richard M., 15, geschlagen. "Der Ton wurde immer aggressiver." Als ihnen die beiden Angeklagten in die S-Bahn folgten, habe Brunner seine Hilfe angeboten und die Polizei alarmiert.
"Ihr wollt's nicht anders"
Nach dem Aussteigen am S-Bahnhof Solln seien Sebastian L. und Markus S. ihnen gefolgt. "Ihr wollt's nicht anders", habe Brunner gesagt und sei den beiden entgegengegangen. "Ich habe schon gedacht, dass er irgendwas tut, weil er ihnen entgegengegangen ist", sagte der Schüler. Dann habe Brunner Markus S. ins Gesicht geschlagen, der daraufhin "total ausgeflippt" sei.
Markus S. habe aus seinem Rucksack einen Schlüssel genommen, diesen zwischen die Finger der Faust gesteckt und sei damit zusammen mit Sebastian L. auf Brunner losgegangen. Die beiden hätten auch noch auf Brunner eingeschlagen, als dieser auf dem Boden lag, 20 bis 25 Schläge seien es etwa gewesen. Er habe dennoch nicht erwartet, dass Brunner tödlich verletzt sein könnte, sagte der Zeuge.
Sebastian L. habe seinen Kumpel Markus S. schließlich gestoppt: "Wenn der andere nicht gesagt hätte 'jetzt reicht's', wäre es länger gelaufen."