Chantal wollte Pflegefamilie verlassen - DER SPIEGEL
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Methadon-Tod einer Elfjährigen Chantal wollte Pflegefamilie verlassen

Chantal aus Hamburg starb im Alter von elf Jahren - an einer Methadon-Vergiftung, in der Wohnung ihrer Pflegeeltern. Kurz vor ihrem Tod soll sie ihren leiblichen Vater angefleht haben: "Bitte geh zum Jugendamt und hole mich aus dieser schrecklichen Familie."
Angeklagter Pflegevater: Chantal wollte raus aus "schrecklicher Familie"
Angeklagter Pflegevater: Chantal wollte raus aus "schrecklicher Familie"

Angeklagter Pflegevater: Chantal wollte raus aus "schrecklicher Familie"

Foto: Daniel Reinhardt/ dpa
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Hamburg - Die elfjährige Chantal aus Hamburg-Wilhelmsburg hat noch Wochen vor ihrem Methadon-Tod versucht, ihre drogensüchtige Pflegefamilie zu verlassen. "Bitte geh zum Jugendamt und hole mich aus dieser schrecklichen Familie", zitierte Staatsanwalt Florian Kirstein vor dem Hamburger Landgericht aus einem Brief von Chantal an ihren leiblichen Vater.

In dem seit 1. Dezember laufenden Prozess müssen sich die Pflegeeltern wegen fahrlässiger Tötung und Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht verantworten.

Eine Frau, die im Auftrag des Jugendamts Chantals Pflegeeltern beraten hatte, sagte als Zeugin aus. Eine Mitarbeiterin der Behörde habe mit dem Kind über das Schreiben gesprochen. Chantal soll geäußert haben, dass sie bei ihrem Vater leben wolle. Der allerdings sei ebenfalls drogenabhängig gewesen. Der Zeugin zufolge wurden die Aussagen im Brief nicht weiter untersucht.

Die Frau sah das Wohl des Kindes in der Pflegefamilie grundsätzlich nicht als gefährdet an. Chantal starb am 16. Januar 2012 an der Heroin-Ersatzdroge Methadon, die sie in der Wohnung entdeckt haben soll.

"Es herrschte ein Tohuwabohu"

Der Zustand der Wohnung sei "grenzwertig" gewesen, erklärte ein Mitarbeiter des Jugendamtes. Die Räume hätten stark nach Tieren gerochen und seien sehr unordentlich gewesen. "Es herrschte ein Tohuwabohu." Das Mädchen sei aber gut in der Familie aufgenommen, der Gesamteindruck stimmig, aber verbesserungswürdig gewesen.

Nach Darstellung der beiden Zeugen war den Mitarbeitern des Jugendamts die Drogenvergangenheit der Pflegeeltern nicht bekannt. "Mir wurde das nie, nie gesagt", sagte die Frau, die die Pflegeeltern seit 2008 betreut hatte.

Laut Staatsanwaltschaft war das Jugendamt Hinweisen von Chantals Verwandten, die Angeklagten würden Drogen oder die Ersatzdroge Methadon konsumieren, nicht nachgegangen. Die Zeugin sagte aus, sie hätte die Hinweise als "Verleumdungen" abgetan. Bereits 1990 war der Angeklagten die Obhut für eine leibliche Tochter entzogen worden.

Eine weitere Mitarbeiterin des Jugendamtes, die ebenfalls am Montag als ehemaliger Vormund Chantals befragt werden sollte, verweigerte die Aussage.

Der Fall Chantal hatte einen Skandal losgetreten. Es war nicht das erste Mal, dass das Jugendamt Wilhelmsburg in die Kritik geriet, weil es Signale für Vernachlässigung übersehen hat. Die Leiterin des Jugendamtes musste ihren Hut nehmen, auch der Chef des Bezirksamts Hamburg-Mitte, Markus Schreiber, trat zurück. Ein Sonderausschuss der Hamburger Bürgerschaft untersucht die Umstände von Chantals Tod.

ala/dpa

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