Dänemark Richterin erlässt Haftbefehl
Odense - Die Polizei und der Geheimdienst PET hatten für sieben von insgesamt neun Terrorverdächtigen im Alter von 18 bis 33 Jahren einen Antrag auf Untersuchungshaft gestellt. Ohne Erfolg. Der Haftrichterin waren die Beweise gegen fünf der Festgenommenen zu schwach. Sie sollen aber weitere 72 Stunden in Polizeigewahrsam bleiben.
Innerhalb dieser drei Tage müssen die Behörden neue Beweise für einen zweiten Haftprüfungstermin vorlegen. Die beiden Hauptverdächtigen bleiben zunächst vier Wochen in U-Haft. Zwei weitere Dänen waren schon vor dem Gang zum Untersuchungsgericht wieder freigelassen worden.
Die radikal-islamische Gruppe soll nicht näher bezeichnete Bombenanschläge vorbereitet haben, teilte der Geheimdienst mit. Polizei und PET hatten deshalb in der Nacht zu Dienstag ein von zahlreichen Moslems bewohntes Einwandererviertel in Odense auf der Insel Fünen durchsucht und neun Dänen ausländischer Herkunft festgenommen.
Es war die zweitgrößte Anti-Terror-Razzia in Dänemark. PET-Chef Lars Findsen begründete den Zeitpunkt des Einsatzes damit, dass unklar gewesen sei, in welchem Stadium sich die Vorbereitungen befunden hätten. "Die vorrangige Aufgabe des PET ist es, Terroranschläge zu verhindern", sagte Findsen.
Justizministerin Lene Espersen zeigte sich besorgt darüber, "dass Dänen einen Terroranschlag in ihrem eigenen Land vorbereiteten". Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen mahnte, die Terrorbedrohung ernst zu nehmen.
"Ich fürchte, es wird einen Anschlag in Dänemark geben"
Der Imam Abu Bashar aus Vollsmose, der drei der Verdächtigen persönlich kennt, sagte, er wundere sich nicht über die Festnahmen. "Ich fürchte, es wird einen Terroranschlag in Dänemark geben, weil dänische Soldaten im Irak stationiert sind", sagte er der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau. Derzeit befinden sich 470 dänische Soldaten unter britischem Kommando im südirakischen Basra.
Es ist die zweite Verhaftungswelle gegen Terrorverdächtige in Dänemark binnen einem Jahr. Im Oktober 2005 hatte die Polizei in Kopenhagen sieben Moslems zwischen 16 und 22 Jahren festgenommen. Vier von ihnen wurden im vergangenen Monat wegen der Planung von Attentaten in Europa angeklagt. Die drei anderen wurden freigelassen.
Das skandinavische Land ist im vergangenen Jahr verstärkt zum Ziel islamischer Extremisten geworden, nachdem eine dänische Zeitung Karikaturen des islamischen Propheten Mohammed abgedruckt hatte. Im Frühjahr war es in der moslemischen Welt daraufhin zu gewalttätigen Protesten gekommen, bei denen unter anderem dänische Botschaften in Brand gesteckt wurden.
aki/dpa/AP