Doppelmord von Tessin: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage - DER SPIEGEL
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Doppelmord von Tessin Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

Der Doppelmord zweier 17-Jähriger an einem Ehepaar im mecklenburgischen Dorf Tessin hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Schwerin die beiden Gymnasiasten angeklagt. Demnach träumten die Teenager davon, nach Japan auszuwandern.
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Schwerin - Die Jugendlichen töteten laut Anklage die Eheleute in der Nacht zum 14. Januar in deren Haus mit zahlreichen Messerstichen. Außerdem nahmen sie eine 15-Jährige als Geisel. Die 17-Jährigen sind weitgehend geständig.

Nach Darstellung von Oberstaatsanwalt Christian Pick wollten die Gymnasiasten die Schule abbrechen und in Japan ein neues Leben beginnen. Vordergründig dürfte die Tötung aber dem Zweck gedient haben, sich ein Fahrzeug zu verschaffen, sagte Pick. Darin sei die Anklage wegen Mordes und nicht wegen Totschlags begründet.

Bei einem der Schüler sei außerdem bei der Tat mitbestimmend gewesen, Macht ausüben zu wollen, sagte der Staatsanwalt. Er schloss aus, dass Computerspiele bei den beiden Jugendlichen zur Gewaltauslösung geführt hatten. Nach der Tat war ein derartiger Zusammenhang vermutet worden, da die beiden Jungen laut Freunden regelmäßig Gewalt- und Ballerspiele spielten und am Abend vor der Tat ein Gewaltvideo gesehen haben sollen.

Die beiden Jugendlichen hatten am Tatabend bei ihren späteren Opfern, den Eltern eines Bekannten, an der Tür geklingelt. Als der 46 Jahre alte Vater die Tür öffnete, stachen sie unvermittelt auf ihn und später auch auf seine Frau ein. Der 16-jährige Sohn konnte in ein anderes Zimmer entkommen und rief von dort per Telefon die Polizei.

Bei sich hatten sie eine 15-jährige Mitschülerin, die sie zuvor als Geisel genommen hatten. Mit dem Wagen durchbrachen sie mehrere Absperrungen und rammten nach wenigen Metern ein parkendes Auto.

Von der Polizei umstellt gaben sie nach etwa einstündiger Verhandlung auf und ließen sich widerstandslos festnehmen. Die Geisel kam unverletzt frei.

Anwohner, Mitschüler und Lehrer zeigten sich damals bestürzt und konnten sich die Bluttat nicht erklären. Die beiden Jungen galten als fleißig, höflich und intelligent. An ihrem Gymnasium brachten sie Mitschülern in einer Computer-AG eine Programmiersprache bei.

Einer der Jugendlichen stammt aus einer im Ort integrierten Familie aus Tessin, der zweite aus einem Nachbardorf. Bei ihren ersten Vernehmungen hatten die beiden Beschuldigten die Tat laut Staatsanwaltschaft weitgehend eingeräumt, aber angegeben, das Ehepaar nicht haben töten zu wollen.

Der Prozess gegen die beiden Tatverdächtigen soll wahrscheinlich am 21. Juni beginnen. Verhandelt wird vor der Jugendstrafkammer, den Jungen drohen bis zu zehn Jahre Haft. Die Begutachtung der Angeschuldigten habe ergeben, dass sie voll schuldfähig seien, erklärte die Staatsanwaltschaft.

jdl/AP