Drogenkrieg in Mexiko: Leichenzersetzer festgenommen - DER SPIEGEL
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Drogenkrieg in Mexiko Leichenzersetzer festgenommen

Makaberer kann ein Spitzname kaum sein: In Mexiko hat die Polizei einen Mann verhaftet, der unter dem Namen der "Suppenkoch" bekannt war - weil er im Auftrag eines Drogenbosses rund 300 Menschen in Säure aufgelöst haben will.
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Tijuana/Hamburg - Er ist das (un-)menschliche Symbol eines abscheulichen und immer brutaler werdenden Drogenkriegs in Mexiko. Rund 300 Menschen will ein Mann namens Santiago Meza López im Auftrag eines Drogenbosses in Säure aufgelöst haben. Jetzt hat ihn die mexikanische Polizei gefasst und führte ihn der Presse vor - die grausame Details aus dem Arbeitsalltag eines Leichenzersetzers zu hören bekam.

Er habe die Leichen von der Drogenbande geliefert bekommen und für 600 Dollar in der Woche weggeschafft, sagte der 45-jährige Meza López. Innerhalb der letzten Jahre habe er so für den Drogenboss Eduardo Teodoro García Simental die besagten 300 Menschen in Säure aufgelöst.

"Ich bitte die Familien dieser Menschen um Verzeihung", sagte Meza López. Der Leichenzersetzer ist auch unter dem zynischen Spitznamen "El Pozolero" bekannt, was auf Deutsch etwa der "Suppenkoch" bedeutet. Die Methode, Leichen in ätzenden Chemikalien aufzulösen, wird im mexikanischen Drogenkrieg immer wieder angewendet.

Nach Angaben des mexikanischen Militärs wurde Meza López am Donnerstag nahe der Grenzstadt Tijuana festgenommen. Die US-Bundespolizei führte den 45-Jährigen auf der Liste der meistgesuchten Verbrecher auf Platz 20.

Der Kampf verfeindeter Drogenkartelle forderte im vergangenen Jahr landesweit mehr als 5300 Todesopfer - mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2007 - und sorgte zuletzt wiederholt für internationales Aufsehen.

Erst diese Woche fanden Beamte in der nordmexikanischen Stadt Praxedis den abgetrennten Kopf eines Polizisten in einer Kühlbox. Der Chefermittler war nur fünf Tage nach seinem Amtsantritt gemeinsam mit fünf weiteren Beamten und einem Zivilisten entführt worden.

Zwei Tage später wurden am Rande einer Straße in der Provinzhauptstadt Chihuahua sechs Leichen in Polizeiuniform mit Folterspuren und Schusswunden gefunden. Einem Justizsprecher zufolge ist der grausige Fund als Botschaft des berüchtigten Sinaloa-Kartells zu verstehen.

Bei einem weiteren Angriff von Drogenbanden wurden Anfang der Woche in der Grenzstadt Ciudad Juárez vier Männer getötet. Sechs weitere Leichen, darunter eine Frau, wurden laut Polizeiangaben in mehreren Städten des Bundesstaats Chihuahua gefunden.

Der Bundesstaat ist Schauplatz eines blutigen Drogenkrieges zwischen verfeindeten Drogenkartellen um die Vorherrschaft im Rauschgiftschmuggel in die USA.

tdo/AFP