Eislinger Vierfachmörder: "Er war ein ängstliches Kind" - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Eislinger Vierfachmörder "Er war ein ängstliches Kind"

Der geständige Vierfachmörder von Eislingen schämt sich angeblich für seine Tat. Das sagten seine Eltern vor Gericht aus - und zeichneten das Bild eines unsicheren Jungen. Mit einer Freundin soll sich der 19-Jährige Frederik B. in einem Internet-Chat vor der Tat übers Töten unterhalten haben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Fotostrecke

Grausames Verbrechen: Der Vierfachmord von Eislingen

Foto: Daniel Maurer/ ASSOCIATED PRESS

Ulm - Der geständige Vierfachmörder von Eislingen, Frederik B., hat Wochen vor der kaltblütigen Tat mit einer Internet-Freundin über das Töten gechattet. "Das kannst du nicht wollen, dass ich dir zeige, wie hart ich bin und wozu ich fähig bin", zitierte das Landgericht Ulm am Montag aus einem Chat-Protokoll. Er habe seiner 18 Jahre alten Urlaubsbekanntschaft geschrieben, er sei kein Pazifist. Er glaube auch nicht an eine gerechte Welt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 19-jährigen Frederik B. und seinem mitangeklagten Freund Andreas H. vor, H.s Eltern und seine beiden Schwestern in der Nacht auf Karfreitag aus Habgier ermordet zu haben. Frederik B. hatte vor einigen Wochen gestanden, die 30 Schüsse auf Bitten seines Freundes allein abgefeuert zu haben.

Die Chat-Bekanntschaft aus Luxemburg konnte sich an die Kommunikation mit ihm nur spärlich erinnern. Sie beschrieb den Angeklagten vielmehr als aufmerksam und zuvorkommend. Sie sei eine Zeitlang verliebt in ihn gewesen und habe mit ihm über das Heiraten gechattet. Frederik B. habe ihr geschrieben, wenn sie eine Beziehung hätten, sei sie die einzige Frau für ihn auf der Welt. Er habe ihr auch einmal geschrieben, dass sie und Andreas H. die einzigen Menschen seien, die ihm etwas bedeuten. "Für mich war er einer der nettesten Menschen, die ich je kennengelernt habe", sagte die Schülerin. Sie habe ihm vertraut und ihn "bedingungslos lieb" gehabt.

Seine Eltern beschrieben den Frederik B. als "ängstliches Kind". Er soll erst durch die Freundschaft zu seinem Mitangeklagten Andreas H. mutiger geworden sein. Von der verhängnisvollen Freundschaft habe Frederik aus Sicht seiner Eltern zunächst profitiert. Frederiks Vater sagte, seine Frau und er hätten die Freundschaft der beiden jungen Männer positiv gesehen. Zugleich beschrieb der 52-Jährige die Beziehung aber auch als einseitig. Meist habe Andreas H. angerufen, und sein Sohn sei dann sofort zu ihm gefahren.

"Er schämt sich wahnsinnig"

Vor dieser Freundschaft habe sein Sohn viel Zeit zu Hause verbracht. "Frederik hat wenig unternommen mit anderen", gab sein Vater zu Protokoll. Frederik B. habe oft mit seinem jüngeren Bruder gespielt und viel gelesen. Eine Freundin habe sein Sohn nie gehabt. "Er hat aber absolut keinen unglücklichen Eindruck gemacht", sagte der 52-Jährige. Nun mache sich sein Sohn Vorwürfe. "Er schämt sich wahnsinnig." Sein Sohn habe ihm nach der Tat einmal gesagt, er verstehe nicht, wie er ihn noch lieben könne.

Frederik B. hatte die Tat damit erklärt, dass Andreas H. sich in seiner Familie nicht wohl gefühlt und schon 2008 solche Tötungsabsichten entwickelt habe. Auch Andreas H. führte nach früheren Angaben seines Anwalts die familiäre Situation als Grund für den Vierfachmord an. Der 19-Jährige habe sich irgendwann vor der Frage gesehen: entweder die oder ich.

Die Mutter des Angeklagten sagte vor Gericht, sie habe am Tatabend ihren Sohn mit einem großen Karton das Haus verlassen sehen. Dies sei ihr seltsam vorgekommen. Daher habe sie ihren Mann gefragt, ob sie dem Sohn und dessen Freund Andreas H. nachfahren sollten, um zu beobachten, was die beiden jungen Männer vorhaben. Sie hätten sich aber dagegen entschieden. Der Vater von Frederik B. sagte vor Gericht, ihm sei an dem Abend nichts Besonderes aufgefallen.

In dem Karton hatten die jungen Männer am Abend des 9. April einen gestohlenen Computer, den sie fortwarfen. Danach sollen die beiden 19-Jährigen in das Haus der Familie von Andreas H. gefahren sein und dort zunächst die beiden Schwestern im Alter von 22 und 24 Jahren getötet haben, die gerade fernsahen. Als die Eltern von einem Gaststättenbesuch nach Hause kamen, erschossen sie auch den 57 Jahre alten Vater und die 55 Jahre alte Mutter.

Am nächsten Tag gaben die jungen Männer vor, die Leichen entdeckt zu haben. Die Waffen sollen die beiden Angeklagten zusammen mit 17 weiteren Schusswaffen ein halbes Jahr zuvor in einem Schützenheim gestohlen haben. Öffentlichkeit und Pressevertreter sind von dem Prozess weitgehend ausgeschlossen.

jjc/dpa