Gericht in London Ex-BBC-Radiomoderator Travis von Missbrauchsvorwürfen freigesprochen
Travis im November 2012: "Anderthalb Jahre durch die Hölle gegangen"
Foto: STRINGER/ AFPLondon - Vor etwas mehr als fünf Monaten war sich die britische Polizei im Fall Dave Lee Travis noch ziemlich sicher: Es gebe "ausreichende Hinweise", die eine Verurteilung des Tatverdächtigen wahrscheinlich machen, sagte eine Sprecherin damals dem britischen "Guardian" . Nun aber hat ein Gericht in London den ehemaligen BBC-Radiomoderator in zwölf der insgesamt 14 vorgeworfenen Sexualdelikte freigesprochen.
Die Geschworenen sahen einen Großteil der Vorwürfe für ausgeräumt an. In den zwei übrigen Fällen war sich die Jury jedoch nicht einig. Travis, der den bürgerlichen Namen David Patrick Griffin trägt, waren Sexualdelikte an elf jungen Frauen in den Jahren 1976 bis 2008 zur Last gelegt worden. Die Staatsanwaltschaft muss nun entscheiden, ob die verbleibenden Verdachtsmomente einen neuen Prozess gegen den Moderator rechtfertigen.
Travis war im November 2012 verhaftet und nach Zahlung einer Kaution freigelassen worden. Er hatte stets auf seiner Unschuld beharrt und wollte das Urteil beim Verlassen des Gerichtssaals ausdrücklich "nicht als Sieg" werten. "Ich bin anderthalb Jahre durch die Hölle gegangen", sagte der 68-Jährige. "Mein Ruf ist ruiniert." Außerdem habe er für die Anwaltskosten sein Haus verkaufen müssen.
Die BBC war bereits Ende 2012 von einer Missbrauchsaffäre erschüttert worden. Der einstige Starmoderator Jimmy Savile soll jahrelang Kinder missbraucht haben. Er starb vergangenes Jahr im Alter von 84 Jahren. Im Zusammenhang mit dem Skandal wurden anschließend weitere Prominente aus der Unterhaltungsbranche festgenommen.
Travis arbeitete in den siebziger und achtziger Jahren gemeinsam mit Savile für BBC Radio 1. Auch im Fernsehen trat er regelmäßig auf. Zu den Fans seiner Musiksendung "A Jolly Good Show" im BBC-Programm World Service Network gehörte auch Burmas Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi. Die Show habe ihr geholfen, ihren mehr als 20 Jahre währenden Hausarrest zu überstehen, sagte die Friedensnobelpreisträgerin 2011 in einem Interview.