Fall Kampusch: "Man wird sie sehen" - DER SPIEGEL
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Fall Kampusch "Man wird sie sehen"

"Etwas verschnupft", aber "sehr energiegeladen" - so kam Natascha Kampusch zur Aufzeichnung ihres Fernsehinterviews. Das Gespräch wird heute Abend ausgestrahlt. Dabei soll die junge Frau ohne Verkleidung auftreten.
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Wien - "Man wird sie sehen", sagte der Journalist Christoph Feurstein in der Nachrichtensendung "Zeit im Bild" des österreichischen Rundfunks ORF gestern Abend, schreibt die dpa. Es sei ihr eigener Entschluss gewesen, sagte der Reporter, der das Interview mit der 18-Jährigen gestern Nachmittag geführt hatte.

Auch die österreichische Nachrichtenagentur APA meldet, dass Kampusch während der Aufzeichnung nicht verkleidet war. Allerdings bestehe vor der Ausstrahlung heute Abend noch die Möglichkeit, das Entführungsopfer elektronisch zu verfremden. Dies sei aber allein Kampuschs Entscheidung.

Das Gespräch wird heute Abend um 20.15 im ORF 2 und um 21.15 Uhr von RTL ausgestrahlt. Das Interview dauert nach ORF-Angaben etwa 20 Minuten. Zusätzlich werde Moderatorin Birgit Schrowange auf RTL Beiträge zum Hintergrund des spektakulären Entführungsfalls präsentieren, hieß es. Direkt im Anschluss wird Günther Jauch in "Stern TV" live mit Nataschas Vater sprechen. Die ARD hat die Rechte zur Ausstrahlung nach Mitternacht erworben. Der Preis für die Zweitausstrahlung liegt nach Medieninformationen bei mehreren Hunderttausend Euro.

Er habe eine "sehr selbstbewusste, intelligente Frau" getroffen, sagte Feurstein. Der Journalist hatte seit der Entführung der damals Zehnjährigen im März 1998 immer wieder über den Fall berichtet. Kampusch habe ihn mit ihrer Persönlichkeit und ihrem Charakter beeindruckt und erstaunt. Man dürfe sich aber nicht täuschen lassen von ihrem Auftreten und müsse im Hinterkopf immer die Situation behalten, in der sie mehr als acht Jahre lang gelebt habe.

In Momenten, als sie vom Morgen der Entführung erzählte oder von der "unheimlichen Stille" in dem winzigen Verlies im Haus ihres Entführers Wolfgang P., habe er selbst "Gänsehaut bekommen".

Erschüttert hätten ihn auch ihre Aussagen, wonach sie bei den wenigen Gelegenheiten, in denen ihr Entführer sie etwa mit zum Einkaufen genommen hatte, mehrmals Menschen "mit den Augen um Hilfe gebeten" habe: "Sie sagt, sie hat versucht, Menschen auf sich aufmerksam zu machen und niemand hat geholfen." Das sei so ein Bild des Alptraums, das ihn sehr beeindruckt habe, so Feurstein.

Kampusch war am 2. März 1998 auf dem Weg zur Schule entführt worden. Nach mehr als acht Jahren in seiner Gewalt gelang ihr am 23. August die Flucht vor dem 44-Jährigen. Dieser beging kurze Zeit später Selbstmord. Seitdem wird sie an einem geheim gehaltenen Ort medizinisch und psychologisch betreut. Nach dem Urteil ihrer Betreuer ist Kampusch schwer traumatisiert und muss noch mindestens ein Jahr lang intensiv psychologisch begleitet werden.

Feurstein sagte, er habe den Eindruck gewonnen, die junge Frau wollte ihre Erlebnisse selbst schildern. Der Zeitpunkt sei von dem Betreuerteam außerdem gewählt worden, um die Aufregung um ihre Person zu beruhigen: "Wir hoffen, dass die Menschen sagen, jetzt haben wir ihr Gesicht gesehen, sie hat ihre Geschichte erzählt, jetzt lassen wir Natascha Kampusch ins Leben gehen."

Einnahmen fließen in "Natascha Kampusch Fonds"

Rund 300 internationale Medien hatten sich für die Exklusivrechte an einem Interview mit der jungen Frau interessiert und nach Medienberichten sechsstellige Summen geboten. Kampuschs Medienberater Dietmar Ecker hatte nach eigenen Angaben ein Paket geschnürt, mit dem sowohl das Bedürfnis der Öffentlichkeit befriedigt als auch die Zukunft der jungen Frau gesichert werden soll.

Der öffentlich-rechtliche ORF soll der einzige Fernsehsender bleiben, der Aufnahmen von Kampusch machen konnte. Das Unternehmen, das für die Exklusivrechte nach Eckerts Angaben "keinen Cent" bezahlt hat, soll auch die weltweite Vermarktung der Aufzeichnung organisieren. Die Einnahmen sollen in den eigens eingerichteten "Natascha Kampusch Fonds" fließen, mit dem die finanzielle Zukunft des Verbrechensopfers gesichert werden soll.

Im Printsektor haben das Boulevardblatt "Kronen Zeitung" und die Info-Illustrierte "News" das Rennen gemacht. Die Medienunternehmen sollen im Gegenzug die Ausbildung und die Wohnsituation der jungen Frau garantieren. Bereits knapp vor der Ausstrahlung des TV-Interviews werden am späten Nachmittag in Wien schon die ersten Ausgaben der beiden Blätter mit Kampusch-Interviews erhältlich sein.

aki/dpa/Reuters

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