Fall Kevin Bremer Jugendamtsleiter suspendiert
Bremen - Der Schritt bedeute keine Vorverurteilung, sagte Sozialstaatsrätin Birgit Weihrauch. Es gebe auch keine Vorwegnahme einer disziplinarrechtlichen Entscheidung. Hartwig habe erklärt, dass er keine Rechtsmittel gegen die Entbindung von seinen Aufgaben einlegen wird.
Die Debatte über den besseren Schutz vernachlässigter Kinder geht indes weiter. Nach Einschätzung des Deutschen Kinderschutzbundes sind schärfere Gesetze überflüssig. Die Möglichkeiten zur Kontrolle und zur Entziehung des Sorgerechtes mit einer Unterbringung von Kindern außerhalb der Familie seien ausreichend, wenn sie denn ausgeschöpft werden, sagte Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers. Den tragischen Tod des kleinen Kevin in Bremen bezeichnete er als einen "unglaublichen Vorgang". "Man lässt kein zweieinhalb Jahre altes Kind bei einem heroinsüchtigen Vater."
Das Gesetz verpflichte schon jetzt Lehrer oder Erzieher, die mögliche Gefährdung eines Kindes der Jugendhilfe zu melden, die dann eine Gefährdungsabschätzung vornehme. Wenn Eltern sich wehrten und angebotene Hilfe nicht funktioniere, könne das Sorgerecht entzogen und das Kind in einer Pflegefamilie untergebracht werden. "Man kann viel, viel machen", meinte Hilgers. Statt einer Heimunterbringung wie in Bremen halte er die Aufnahme in einer Pflegefamilie für sinnvoller. "Im Fall Kevin hat es mit Sicherheit strafbare Handlungen gegeben." Die staatliche Aufsichtspflicht habe wegen Fehlern von Mitarbeitern und aus organisatorischen Mängeln versagt.
Verbessert werden muss aus Sicht des Kinderschutzbundes die Vorführung kleiner Kinder zu den ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen. In sogenannten Problemstadtteilen sollten Ärzte auch in die Kindertagesstätten kommen. Neben dem Staat sei allerdings auch die Bevölkerung gefragt. "Die Menschen sollten den Mut haben, eine Familie auch selber anzusprechen und Hilfe anzubieten." Ein älteres Kind könne man auch fragen: "Wie geht es dir?" Bei Hinweisen auf Missstände sollte das Jugendamt kontaktiert werden, allerdings nicht mit anonymen Anrufen.
Grüne wollen Untersuchungsausschuss
Die Fraktion der Grünen im Bremer Landesparlament verlangte die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses. Neben der Aufarbeitung des Falls und der Frage nach strukturellen Ursachen gehe es um Verbesserungsvorschläge, um eine Wiederholung des Dramas zu verhindern. CDU und SPD schlossen sich der Forderung bereits grundsätzlich an.
Die Grünen-Fraktionschefin Karoline Linnert sagte dem Fernsehsender N24, viele in Bremen hätten gewusst, dass die Entscheidungen in der Jugendhilfe nicht mehr nach rein fachlichen Gesichtspunkten fielen. Sachbearbeiter seien in Einzelgesprächen verdonnert worden, Stellungnahmen abzugeben, dass die Kinder in den Familien bleiben sollten.
dab/ddp/dpa/AP